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Wenn der Kopf losrennt und der Bauch unbedingt mit muss

3. Sept.
4 Min. Lesezeit

Ich hab ja manchmal das Gefühl, mein Bauch besitzt eine Direktleitung zu meinem Kopf, und leider ist das keine von diesen Leitungen, bei denen man sagen kann: „Wir sind gerade nicht erreichbar, versuchen Sie es später noch einmal." Wenn bei mir etwas ansteht, ich mich ärgere, unter Druck gerate oder im Kopf schon drei Schritte weiter bin als der Rest von mir, kann es durchaus passieren, dass der Bursche meint: „Ah, da ist was los. Bin dabei." Danke auch. Früher hab ich diesen Zusammenhang gar nicht immer sofort gesehen, denn Stress war für mich lange nichts Besonderes. Ich hab 36 Jahre im Außendienst gearbeitet, war alleinerziehende Mutter, hatte Termine, musste organisieren, funktionieren und schauen, dass der Laden läuft, und wenn du so lebst, stehst du morgens ja nicht auf und sagst: „Oh, heute habe ich Stress." Das ist Dienstag. Du machst weiter. Und mein Bauch machte eben mit, bloß auf seine Art. Wenn ich unterwegs war, gehörte deshalb irgendwann dieses automatische Mitdenken dazu. Wo kann ich zur Toilette? Was esse ich vorher? Wie lange dauert der Termin? Wo fahre ich danach hin? Und wenn der Bauch schon ein bisschen unruhig war, wurde aus einer ganz normalen Fahrt im Kopf schnell eine kleine logistische Meisterleistung, obwohl ich nach außen wahrscheinlich einfach aussah wie eine Frau, die in ihr Auto steigt und zur Arbeit fährt. Das Verrückte daran ist, dass Stress dann irgendwann nicht einmal mehr einen großen Anlass braucht. Denn wenn du schon mit dem Gedanken losfährst: „Hoffentlich muss ich nicht", hast du ja bereits etwas, worüber dein Kopf nachdenken kann. Und der Bauch hört zu. Dann grummelt es. Der Kopf sagt: „Siehst!" Und schon hast du zwei Burschen im Auto, die sich gegenseitig hochschaukeln, während die Ursel eigentlich bloß irgendwohin fahren wollte. Ich kann heute darüber lachen. Damals war mir nicht immer danach. Und natürlich hab ich auch heute Stress. Wer glaubt, Rente bedeutet, dass man den ganzen Tag friedlich im Schaukelstuhl sitzt und auf den Sonnenuntergang wartet, kennt mich schlecht. Bei mir fallen morgens wahrscheinlich schon drei neue Ideen vom Himmel, bevor ich mein großes Glas mit meinem orangefarbenen Zaubertrank ausgetrunken hab, dann gibt's den Blog, meine Gruppen, Frautark, irgendwelche Nachrichten, die Katzen, meinen Schatz und garantiert noch irgendetwas, das ich eigentlich „nur schnell" erledigen wollte. Dieses „nur schnell" ist sowieso gefährlich. Bei mir können daraus problemlos zwei Stunden und vier neue Projekte werden. 😄 Bloß merke ich heute viel eher, wenn mein Kopf anfängt davonzurennen. Dann kann es tatsächlich passieren, dass ich morgens mit meinem großen Glas dasitze, schon wieder über irgendetwas nachdenke, während ich eigentlich noch gar nicht richtig im Tag angekommen bin, und irgendwann denk ich mir: „Ursel. Eins nach dem anderen." Nicht als Entspannungsübung. Ich setz mich auch nicht im Schneidersitz auf den Küchenboden und atme dreimal feierlich ins Universum. Wer das gern macht, bitte. Ich würde wahrscheinlich spätestens beim Aufstehen Hilfe brauchen. 😄 Bei mir sind es eher meine ganz normalen Sachen, die inzwischen einen Rahmen um den Tag bauen: morgens meine Routine, mein selbst gemachter Joghurt gehört dazu, abends mein Super-Sandmännchen. Und dazwischen versuche ich nicht mehr ganz so oft, gleichzeitig an fünf verschiedenen Stellen meines Lebens zu sein. Versuche, hab ich gesagt. Wir wollen bei der Wahrheit bleiben. Manchmal erwisch ich mich nämlich immer noch dabei, wie ich vor meinem Handy sitze, eine Nachricht beantworte, nebenbei schon an den nächsten Blogbeitrag denke, eigentlich noch etwas anderes nachschauen wollte und plötzlich überhaupt nicht mehr weiß, weshalb ich das Ding ursprünglich in die Hand genommen hab. Dann liegt irgendwo Krümel und schaut mich an. Bei seinem Gesichtsausdruck bin ich mir ziemlich sicher, dass er denkt: „Menschen. Völlig ineffizient." Der hat leicht reden. Sein Terminkalender besteht aus Schlafen, Fressen, Beobachten und Personal beaufsichtigen. Aber dieses frühere Gefühl, dass mein Bauch ständig mitentscheiden könnte, ob ich etwas überhaupt machen kann, ist heute viel seltener geworden, und gerade deshalb merke ich inzwischen schneller, wenn Stress doch wieder körperlich bei mir anklopft. Dann ist mein erster Gedanke nicht mehr automatisch: „Oh Gott, der Bauch." Manchmal ist er: „Was treib ich denn eigentlich gerade wieder?" Und erstaunlich oft weiß ich die Antwort. Zu viel gleichzeitig. Zu wenig Ruhe dazwischen. Oder irgendeine Sache beschäftigt mich mehr, als ich mir selber eingestehen wollte. Das bedeutet nicht, dass jedes Bauchgrummeln bei mir vom Kopf kommt. So einfach ist mein Darm nun wirklich nicht gestrickt, und wenn ich dem alles in die Schuhe schieben würde, wäre der wahrscheinlich zu Recht beleidigt. Aber ich hab gelernt, den Kopf mitzudenken. Nicht nur das Essen, nicht nur die Toilette, nicht nur den Bauch. Mich. Das hätte ich früher wahrscheinlich fürchterlich unpraktisch gefunden, weil ich für solche Sachen keine Zeit hatte. Heute weiß ich, dass genau dieses „keine Zeit" manchmal schon eine ziemlich interessante Antwort gewesen wäre. Und wenn ich merke, dass wieder einmal alles gleichzeitig durch meinen Kopf rennt, versuche ich inzwischen wenigstens, nicht auch noch hinterherzurennen. Eins nach dem anderen. Der Rest läuft nicht weg. Na ja. Außer vielleicht Krümel, wenn irgendwo eine Tür aufgeht, die seiner Meinung nach interessant sein könnte. Aber das ist eine andere Geschichte. 😄 💚 🌿 Wegweiser durchs Urselland Wenn du das Gefühl kennst, dass dein Kopf längst losgerannt ist und der Bauch sofort hinterherwill, dann geh noch ein Stück weiter durch mein Urselland. Bei Gesundheit & Alltag erzähle ich davon, wie Körper, Gedanken und Alltag manchmal zusammenspielen – und wie ich gelernt habe, mich davon nicht mehr vollständig bestimmen zu lassen. 🌙 Wenn dein Bauch nachts beschließt, dass jetzt Tag ist 🚻 Wenn eine Toilette unterwegs nicht Luxus ist, sondern Sicherheit 🐾 Krümels Welt Und wenn dir nach all den Gedanken im Kopf eher nach jemandem ist, der seinen Tagesplan beneidenswert übersichtlich hält, dann komm noch kurz mit zu Krümel. Schlafen, fressen, beobachten und Personal beaufsichtigen – manchmal hat der Kerl das Leben erstaunlich gut verstanden. 😹 #GesundheitUndAlltag #StressUndBauch #Reizdarm #Frauen50Plus #SelbstbestimmtMitHerzUndKatze #WegweiserDurchsUrselland



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