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Wenn dein Bauch nachts beschließt, dass jetzt Tag ist

3. Sept.
3 Min. Lesezeit

Ich werde wach und weiß im ersten Moment überhaupt nicht, warum, denn im Schlafzimmer ist es dunkel, neben mir ist Ruhe und eigentlich gäbe es für mich genau eine vernünftige Beschäftigung um diese Uhrzeit: schlafen. Dann grummelt es. Nicht laut. Noch nicht. Aber ich kenn meinen Kandidaten ja inzwischen lang genug und lieg erst einmal ganz still da, weil offenbar irgendwo tief in mir noch die Hoffnung wohnt, dass man einen Bauch austricksen kann, indem man einfach so tut, als hätte man ihn nicht gehört. „Nein", denk ich. „Du nicht." Grummel. Na wunderbar. Ich dreh mich ein bisschen anders hin, zieh die Decke wieder zurecht und versuche noch einen Moment, mit meinem Bauch zu verhandeln, wobei das ungefähr so erfolgversprechend ist wie eine Diskussion mit Krümel darüber, ob er wirklich schon wieder Hunger haben kann. Dann kommt die Luft dazu, dieses Drücken und Ziehen, das ich so gut kenne, und irgendwann brauch ich mir nichts mehr vorzumachen. Also raus aus dem warmen Bett. Genau das liebe ich ja besonders. Da hast du endlich deine richtige Schlafposition gefunden, die Decke ist warm, der Kopf war schon längst irgendwo im Traumland unterwegs, und dann stehst du plötzlich barfuß im dunklen Schlafzimmer und schlurfst Richtung Toilette, während dein ganzer Körper eigentlich nur eine einzige Frage hat: „Muss des jetzt wirklich sein?" Ja. Muss. Und während ich da sitze, halb wach, halb noch im Bett und mit einer Frisur, mit der ich wahrscheinlich nicht einmal Krümel beeindrucken könnte, kommen manchmal diese alten Erinnerungen zurück, denn solche Momente waren früher nicht einfach nur eine blöde Nacht. Der Bauch war ja auch tagsüber da – beim Einkaufen, beim Wegfahren, beim Arbeiten, beim Essen, bei der Frage, wo eine Toilette ist, und manchmal sogar schon bei der Überlegung, ob ich irgendwo überhaupt mitfahre. Wenn dein Darm lange genug ungefragt in deinem Leben mitredet, gewöhnst du dir Sachen an, über die andere Menschen wahrscheinlich überhaupt nicht nachdenken. Du weißt, wo Toiletten sind. Du überlegst, was du vorher isst. Du überlegst manchmal sogar, was du anziehst. Und irgendwann merkst du gar nicht mehr, wie viel Platz dieser Bursche in deinem Kopf bekommen hat. Bis du eines Nachts wieder auf der Toilette sitzt und denkst: „Herrschaftszeiten. Früher war das mein halbes Leben." Heute ist es eine blöde Nacht, das ist ein Unterschied. Ein ziemlich großer sogar. Denn ja, diese Nächte gibt es bei mir immer noch. Mein Bauch hat keinen Vertrag unterschrieben, dass er sich ab sofort an Bürozeiten hält, und ungefähr drei- oder viermal im Monat meint er eben doch, wir könnten mitten in der Nacht gemeinsam ein kleines Unterhaltungsprogramm veranstalten. Könnten wir nicht. Machen wir trotzdem. Aber ich sitze heute nicht mehr da und denke sofort: „Oh Gott, jetzt geht das alles wieder los." Ich weiß inzwischen viel besser, was bei mir normal ist, was nicht, was mir im Alltag guttut und wann ich genauer hinschauen muss, und vor allem weiß ich, dass eine schlechte Nacht erst einmal genau das sein darf: eine schlechte Nacht. Nicht automatisch ein schlechter morgiger Tag. Nicht automatisch eine schlechte Woche. Und schon gar nicht wieder mein ganzes Leben. Irgendwann ist im Bauch wieder Ruhe, ich wasch mir die Hände, mach möglichst wenig Licht und tapse zurück Richtung Schlafzimmer, weil ich inzwischen gelernt hab, dass ich um diese Uhrzeit wirklich keine zusätzlichen Veranstaltungen brauche. Und dann liegt da mein Bett. Warm. Herrlich. Ich schlüpf wieder unter die Decke, such meine Schlafposition und hör noch einen Moment in mich hinein. Ruhe? Ruhe. „Na also", denk ich. „Geht doch." Und wenn ich Glück hab, bin ich ein paar Minuten später schon wieder weg. Am nächsten Morgen fällt mir manchmal erst beim Aufstehen ein, dass da nachts überhaupt etwas war. Und vielleicht ist genau das für mich heute das Schönste daran. Nicht, dass mein Bauch nie mehr dazwischenfunkt, sondern dass er wieder aufhören kann. Dass eine Nacht eine Nacht sein kann und ein Morgen wieder ein Morgen. Und dass ich mein Leben nicht mehr schon vorsichtshalber um das nächste Grummeln herumbaue. Mein Bauch darf sich melden. Der wohnt schließlich bei mir. Aber bloß weil der Herr nachts um drei eine Betriebsversammlung einberuft, heißt das noch lange nicht, dass ich ihm auch den Vorsitz überlasse. 😄💚

🌿 Wegweiser durchs Urselland Wenn du solche Nächte kennst oder dein Bauch ebenfalls gern seine eigene Tagesordnung schreibt, dann geh noch ein Stück weiter durch mein Urselland. Bei Gesundheit & Alltag erzähle ich davon, wie viel leichter das Leben wird, wenn der Körper zwar mitreden darf, aber nicht mehr über alles bestimmt. 🚻 Wenn eine Toilette unterwegs nicht Luxus ist, sondern Sicherheit 🔄 Wenn dein Bauch plötzlich das Gegenteil macht 🐾 Krümels Welt Und wenn dir nach der nächtlichen Betriebsversammlung eher nach jemandem ist, der solche Termine grundsätzlich verschläft, dann komm noch kurz mit zu Krümel. Der hält schließlich große Stücke auf Ruhezeiten – solange nicht gerade sein eigener Hunger dazwischenfunkt. 😹 #GesundheitUndAlltag #Reizdarm #SchlafloseNacht #Frauen50Plus #SelbstbestimmtMitHerzUndKatze #WegweiserDurchsUrselland



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