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„Von zu Hause heißt doch: ein bissl nebenbei klicken“ – Schön wär’s 😹

20. Aug.
6 Min. Lesezeit

Flexibel arbeiten heißt nicht, dass die Arbeit plötzlich keine Arbeit mehr ist


Vielleicht hast du dieses Bild auch schon einmal gesehen, und wenn nicht, dann bist du vermutlich eine der wenigen Frauen, an denen das Internet bisher erstaunlich höflich vorbeigegangen ist: Da sitzt eine Frau gemütlich mit dem Handy auf dem Sofa, neben ihr steht ein hübscher Kaffee, alles sieht wunderbar entspannt aus und irgendwie entsteht der Eindruck, als müsste man nur ein bisschen tippen, ein bisschen klicken und zwischendurch wahrscheinlich noch die Katze kraulen – und schon läuft da dieses geheimnisvolle Business von zu Hause.


Mei.


Wenn das so funktionieren würde, wäre Krümel vermutlich längst Großverdiener, denn auf dem Sofa herumliegen und gelegentlich mit der Pfote irgendwo draufdrücken kann der deutlich besser als ich. 😹


Und ich kann sogar verstehen, warum dieses Bild so verlockend ist, gerade wenn du schon viele Jahre gearbeitet hast, morgens aufgestanden bist, obwohl du eigentlich noch müde warst, bei Regen oder Schnee losmusstest, dich nach Dienstplänen, Öffnungszeiten, Schichten oder den Vorstellungen anderer gerichtet hast und irgendwann an diesem Punkt angekommen bist, an dem du dir denkst: Es müsste doch auch anders gehen. 


Vielleicht möchtest du gar nicht aufhören zu arbeiten.


Vielleicht möchtest du einfach nur nicht mehr, dass die Arbeit ständig bestimmt, wie dein Leben auszusehen hat.


Und das ist für mich ein gewaltiger Unterschied.


Wenn ich von einem selbstständigen Weg von zu Hause erzähle und davon, dass du vieles flexibel gestalten kannst, dann meine ich nämlich nicht, dass du nichts mehr tun musst, sondern dass du mehr Möglichkeiten bekommst, selbst zu entscheiden, wann du etwas tust, wie du es tust und wie du diese Arbeit in dein Leben einbaust. 



Denn Hand aufs Herz: Gerade wenn du schon ein paar Jahrzehnte Leben hinter dir hast, sieht dein Alltag vielleicht nicht mehr so aus wie mit 25. Vielleicht gibt es Tage, an denen du morgens voller Energie bist und schon drei Dinge erledigt hast, bevor andere überhaupt ihren ersten Kaffee gefunden haben, und vielleicht gibt es andere Tage, an denen dein Körper dir ziemlich unmissverständlich mitteilt: Heute, meine Liebe, machen wir a weng langsamer. 



Vielleicht kümmerst du dich um jemanden. Vielleicht hast du Termine, die sich nicht danach richten, ob dein Arbeitgeber gerade begeistert davon ist. Vielleicht möchtest du nachmittags mit einer Freundin spazieren gehen, weil genau dann die Sonne scheint, statt aus dem Fenster zu schauen und zu denken: Mei, wenn ich Feierabend habe, ist sie wieder weg. 



Oder vielleicht möchtest du schlicht irgendwann wieder das Gefühl haben, dass dein Tag dir gehört und die Arbeit darin einen Platz bekommt – und nicht umgekehrt dein ganzes Leben irgendwo zwischen Arbeitsbeginn und Feierabend hineingequetscht werden muss.



Genau DAS meine ich mit flexibel.


Nicht: Ich tue nichts.


Sondern: Ich kann anders entscheiden, wann ich etwas tue. 



Und ich glaube, genau da liegt eines dieser Missverständnisse, über die wir viel zu selten reden, denn Freiheit und Bequemlichkeit werden gern in denselben Topf geworfen, obwohl sie überhaupt nicht dasselbe sind.


Selbstständig zu arbeiten bedeutet auch für mich, dass Dinge gemacht werden müssen, selbst wenn ich gerade lieber Socken stricken, mit den Katzen herumblödeln oder bei einem Kaffee irgendeinen Gedanken drei Ecken weiterdenken würde, bis daraus plötzlich wieder ein Blogartikel geworden ist. 😹



Es bedeutet, dass ich lernen muss.


Dass ich Dinge ausprobieren muss, bei denen ich am Anfang noch keine Ahnung habe, ob sie funktionieren.


Dass ich mich mit Technik beschäftige, obwohl Technik und ich gelegentlich eine Beziehung führen, bei der nicht immer ganz klar ist, wer von uns beiden gerade wen erzieht.



Es bedeutet auch, dass ich sichtbar werden muss, wenn Menschen überhaupt erfahren sollen, dass es mich gibt, dass ich Gespräche führe, mich weiterentwickle, Entscheidungen treffe und manchmal auch etwas anfange, von dem ich nach einer Weile merke: Nee. War eine Erfahrung. Muss ich aber nicht noch einmal haben. 



Und weißt du was?


Genau das gehört für mich dazu.


Denn wenn ich selbst entscheiden möchte, dann darf ich nicht nur die schönen Entscheidungen haben und den Rest bei jemand anderem abgeben.


Selbstbestimmung bedeutet eben nicht nur: Heute arbeite ich, wann ich möchte. 


Sie bedeutet auch: Ich bin verantwortlich dafür, dass ich überhaupt etwas aufbaue. 


Und das ist vielleicht der Teil, der in diesen hübschen Bildern vom Arbeiten auf dem Sofa manchmal ein bissl verloren geht.


Da sieht man die Tasse Kaffee.


Man sieht das Handy.


Man sieht vielleicht noch den Laptop und eine hübsche Zimmerpflanze, die selbstverständlich niemals braune Blätter bekommt. 😹



Was man nicht sieht, sind die Abende, an denen du etwas lernst, das du vorher nicht konntest, die Beiträge, die kaum jemand liest, obwohl du dir richtig Mühe gegeben hast, das Gespräch, aus dem nichts wird, die Idee, die du wieder verwirfst, oder diesen wunderbaren Moment, in dem du seit einer halben Stunde versuchst herauszufinden, warum irgendein Knopf auf deinem Bildschirm heute beschlossen hat, einfach nicht das zu tun, was er gestern noch getan hat.


Das gehört auch dazu.


Aber – und genau dieses Aber ist mir wichtig – ich empfinde diese Arbeit trotzdem anders, wenn ich weiß, wofür ich sie mache. 



Wenn ich etwas für mich selbst aufbaue, dann kann eine Stunde Lernen plötzlich eine andere Bedeutung bekommen, weil ich nicht nur eine Stunde abgearbeitet habe, sondern vielleicht etwas gelernt habe, das ich morgen, nächste Woche und nächstes Jahr noch gebrauchen kann.


Ein Beitrag, den heute vielleicht nur wenige Menschen lesen, kann Monate später von genau der Frau gefunden werden, die sich darin wiedererkennt. Ein Gespräch kann mir zeigen, was Frauen wirklich beschäftigt. Ein Fehler kann mir beibringen, wie ich es beim nächsten Mal besser mache, und aus irgendeinem Gedanken, den ich beim Kaffee hatte, kann plötzlich etwas entstehen, das vorher überhaupt noch nicht da war.



Und vielleicht ist genau das der Unterschied, den ich heute so sehr schätze.


Ich tausche nicht ausschließlich eine Stunde meines Lebens gegen einen vorher festgelegten Betrag und fange am nächsten Tag wieder bei Stunde eins an, sondern ich kann mit meiner Zeit etwas aufbauen.


Nicht immer sichtbar.


Nicht immer sofort.


Und ganz bestimmt nicht immer geradlinig.


Mei, wenn du mich kennst, weißt du sowieso, dass geradlinig bei mir manchmal bedeutet: Wir gehen da vorne hin – allerdings kurz über drei Nebenstraßen, weil mir unterwegs noch etwas eingefallen ist. 😹



Aber es wächst.


Und genau deshalb möchte ich auch einer Frau, die mit mir ihren eigenen Weg beginnt, niemals erzählen, dass sie bloß ein bisschen nebenbei klicken muss.


Ich möchte viel lieber mit dir schauen, wie viel Zeit du tatsächlich hast, wann diese Zeit in deinem Leben gut Platz findet und was du damit sinnvoll anfangen kannst, denn es bringt dir überhaupt nichts, wenn ich dir irgendeinen perfekten Tagesplan hinlege, der zu meinem Leben passt und bei dir schon am Dienstagvormittag zusammenbricht.


Vielleicht hast du drei Stunden in der Woche.


Vielleicht fünf.


Vielleicht irgendwann mehr.


Vielleicht arbeitest du noch Vollzeit und möchtest ganz langsam anfangen, vielleicht bist du bereits in Rente und willst trotzdem nicht jeden Tag acht Stunden am Schreibtisch sitzen, und vielleicht gibt es bei dir Wochen, in denen viel geht, und andere, in denen das Leben einfach sagt: Jetzt bin erst einmal ich dran. 


Dann müssen wir damit arbeiten.


Nicht gegen dein Leben.


Denn für mich wäre es ziemlich absurd, dir einen selbstbestimmteren Weg zu zeigen und dich anschließend in ein neues Korsett zu stecken, in dem du dich genauso gehetzt fühlst wie vorher.


Frautark soll kein Hamsterrad mit hübscherem Anstrich werden.


Und gleichzeitig möchte ich dir eben auch nicht erzählen, dass Selbstständigkeit bedeutet, nur dann etwas zu tun, wenn gerade zufällig Lust, Zeit, Wetter und Mondphase zusammenpassen. 😹


Wenn du dir etwas aufbauen möchtest, braucht es Verbindlichkeit.


Nicht unbedingt gegenüber mir.


Sondern gegenüber dir selbst und dem, was du dir vorgenommen hast. 


Vielleicht ist das sogar eine der ungewohntesten Seiten an Selbstständigkeit, denn wenn kein Chef morgens kontrolliert, ob du angefangen hast, musst du irgendwann selbst entscheiden, ob du heute den Laptop aufmachst oder doch noch eine Folge schaust.


Und mei, manchmal gewinnt die Folge.


Wir sind Menschen.


Entscheidend ist für mich nicht, ob du jeden Tag perfekt funktionierst, sondern ob du immer wieder zu deinem eigenen Weg zurückfindest und weißt, warum du ihn überhaupt angefangen hast. 


Vielleicht möchtest du dir etwas finanziellen Spielraum aufbauen. Vielleicht möchtest du im Alter unabhängiger sein. Vielleicht möchtest du wieder etwas Eigenes haben, nachdem du jahrelang für andere funktioniert hast. Vielleicht möchtest du einfach herausfinden, was noch in dir steckt.


Dann darf Arbeit auch Arbeit sein.


Sie darf nur endlich wieder zu deinem Leben passen. 


Und deshalb bedeutet „von zu Hause arbeiten“ für mich eben nicht:

ein bissl klicken und Geld verdienen. #



Sondern eher:

Ich arbeite. Ich lerne. Ich baue etwas auf. Aber ich möchte dabei wieder mehr mitentscheiden, wie mein Leben drumherum aussieht. 



Das klingt vielleicht weniger spektakulär als die Vorstellung vom klingelnden Konto nach drei Klicks.


Aber mei.


Mir ist eine ehrliche Möglichkeit inzwischen lieber als ein schönes Märchen. 😹



Wenn du noch ein Stück mit mir weitergehen möchtest

Wenn du wissen möchtest, warum ich diese ganzen alten Vorstellungen über selbstständiges Arbeiten überhaupt einzeln aus der Schublade hole, beginnt die Reihe hier:




Und wenn dich weniger das „bissl nebenbei klicken“ beschäftigt, sondern eher die Frage, wer bei so einem Gemeinschaftssystem eigentlich woran verdient, dann findest du hier die vorherige Schublade:



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