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Mein Logo? Das ist gar nicht am Computer entstanden …

  • vor 10 Minuten
  • 6 Min. Lesezeit

Komm doch einfach mal mit.


Nein, wirklich. Stell dich einfach einmal vor mein Grundstück. Keine Sorge, du musst nicht klingeln. Das Tor steht meistens offen. Ich mag offene Türen lieber als verschlossene.

Wenn du jetzt vor meinem Gartenzaun stehst, siehst du zuerst meine Schilder. Die habe ich selbst gestaltet und gedruckt. Sie erzählen schon ein bisschen davon, wer hier wohnt und was hier passiert.

Daneben hängt noch ein lustiges Schild. Sinngemäß steht darauf, dass das, was manche vielleicht für Unkraut halten, in Wirklichkeit eine Blumenwiese, Bienenfutter oder ein kleines Nektarparadies ist.

Man muss die Dinge eben nur richtig betrachten.

Oder eine Biene fragen.

Für die ist das vermutlich kein ungepflegtes Stück Erde, sondern ein ausgezeichnetes Restaurant mit reichlich Auswahl und ohne Reservierungspflicht.

Du merkst schon: Bei mir darf es ruhig ein bisschen wild sein.



Jetzt gehst du außen herum. Das große Tor, durch das auch die Autos fahren, steht meistens offen. Man kommt also recht unkompliziert hinein.

Und gleich auf der rechten Seite beginnt die eigentliche Geschichte meines Logos.

Dort steht ein sechseckiger Betontrog.

Den hat mein Sohn Joachim während seiner Maurerlehre selbst betoniert. Allein deshalb ist er für mich schon etwas Besonderes.

Ich habe lange versucht, dort etwas Schönes hineinzupflanzen.

Diese Pflanze.

Jene Pflanze.

Noch eine andere.

Und wahrscheinlich noch ein paar, an die ich mich inzwischen gar nicht mehr erinnern kann.

Das Ergebnis war meistens dasselbe.

Die Pflanzen schauten sich offenbar kurz um und dachten:

„Nein danke. Hier wohnen wir nicht.“

Manche wurden nichts, manche verschwanden wieder und manche haben wahrscheinlich innerlich schon beim Einpflanzen gekündigt.

Irgendwann hatte ich genug von all den großen Plänen und setzte einfach ein paar Ableger verschiedener Hauswurzen hinein.

So nach dem Motto:

„Probieren wir es halt noch einmal.“

Und was soll ich sagen?

Die Hauswurzen fanden es dort großartig.

Sie wuchsen, vermehrten sich und beschlossen offenbar, dass dieser sechseckige Betontrog genau der richtige Ort für sie sei.

Manchmal braucht es eben nicht die aufwendigste Lösung.

Manchmal braucht es einfach die richtige Pflanze am richtigen Platz.

Oder den richtigen Menschen am richtigen Platz.

Wir verbringen ja auch manchmal viel Zeit damit, uns irgendwo anzupassen, wo wir eigentlich gar nicht hingehören.

Und dann finden wir plötzlich unseren Ort.

Auf einmal wird es leichter.



Irgendwann zog eine schlafende schwarze Katze in den Betontrog ein.

Natürlich musste dort eine Katze liegen. Wer mich kennt, wird darüber nicht besonders überrascht sein.

Aber diese Katze war nicht einfach nur irgendeine Dekoration.

Ich habe sie bei einer Aktion zugunsten des Katzenschutzes gekauft. Der Kauf war gleichzeitig eine Spende für Katzen, die Hilfe brauchen.

Das gefiel mir besonders gut.

Etwas Schönes für meinen Eingang – und gleichzeitig etwas Gutes tun.

Später kam noch eine zweite schlafende schwarze Katze dazu. Die liegt heute auf der anderen Seite meines Hauseingangs, vor einer alten Laterne.

Auch sie stammt aus dieser Aktion für den Katzenschutz.


So liegen heute zwei schwarze Katzen bei mir am Eingang und passen auf.

Zumindest theoretisch.

Praktisch schlafen sie beide.

Aber vermutlich ist das nur Tarnung. Katzen bekommen schließlich auch mit geschlossenen Augen mehr mit als manche Menschen mit offenen.

Mit der Zeit kamen in den Betontrog noch zwei Roststecker mit kleinen Herzen.

Nicht alles bei mir entsteht nach einem großen Plan.

Manches sehe ich, manches gefällt mir, manches schleicht sich langsam in mein Herz.

Und dann darf es irgendwann bleiben.



Eines Tages stand ich vor diesem Trog und schaute ihn mir genauer an.

Die Hauswurzen waren da.

Die schwarze Katze war da.

Die Herzen waren da.

Und trotzdem dachte ich:

„Irgendetwas fehlt noch.“

Kennst du dieses Gefühl?

Du kannst noch gar nicht genau sagen, was fehlt.

Aber du weißt ganz sicher, dass es noch nicht vollständig ist.

Dann entdeckte ich einen kleinen Leuchtturm aus Rost.

Und nein, ich habe ihn nicht sofort gekauft.

Ich bin erst einmal um ihn herumgeschlichen.

Ich habe ihn angeschaut.

Bin wieder weitergegangen.

Habe darüber nachgedacht, ob er wirklich passt, ob noch Platz ist und ob das Ganze nicht langsam ein bisschen viel wird.

Dann habe ich ihn noch einmal angesehen.

Und irgendwann war klar:

Der Leuchtturm gehört genau dort hinein.

Als er dann zwischen den Hauswurzen, der Katze und den Herzen stand, musste ich lachen.

Denn plötzlich sah ich es.

Da stand mein Logo.

Direkt vor meiner Haustür.

Nicht am Computer erstellt.

Nicht nach irgendwelchen Marketingregeln konstruiert.

Nicht in einer langen Sitzung geplant.

Einfach gewachsen.

Ein Leuchtturm.

Herzen.

Eine Katze.

Und Pflanzen, die auch dann weiterleben, wenn es einmal trocken wird.

Eigentlich beschreibt das mich schon ziemlich gut.

Aber wir sind noch nicht fertig.



Komm ein Stück weiter mit.

An der Hauswand entlang wächst ein altes Rosenbeet.

Dort stehen keine empfindlichen Zuchtrosen, sondern robuste rosa Beetrosen. Sie blühen mehrmals im Jahr.

Mein Sohn schneidet sie inzwischen im Frühjahr und nach jeder Blüte zurück.

Und weil er das regelmäßig macht, können sie bis zu viermal im Jahr wieder neu blühen.

Auch darin steckt für mich eine kleine Lebensweisheit.

Rückschnitt sieht im ersten Moment manchmal gar nicht schön aus.

Etwas wird kürzer.

Etwas muss weg.

Etwas sieht plötzlich leer aus.

Aber genau dadurch kann später wieder Neues entstehen.


Eine dieser Rosen hatte allerdings ihren ganz eigenen Plan.

Sie wollte offenbar nicht einfach brav an der Hauswand bleiben.

Ein Zweig suchte sich seinen Weg zwischen dem Geländer und den Stufen des Hauseingangs.

Dort ist es geschützt.

Dort ist es warm.

Wasser bekommt er auch.

Und vermutlich hat sich die Rose gedacht:

„Hier ist es kuschelig. Hier bleibe ich.“

Also durfte sie bleiben.

Inzwischen ist daraus ein richtig schöner Rosenzweig geworden. Wenn er blüht, duftet es wunderbar am Eingang.

Wer vor der Klingelanlage steht, wird also nicht nur von mir, sondern erst einmal von einer Rose begrüßt.

Ich habe sie mit einem kleinen Rankgitter etwas gebändigt.

Nicht, weil sie dort falsch wäre.

Sondern weil man die Klingel schließlich noch finden sollte.

Ein bisschen Freiheit ist schön.

Aber Besucher stundenlang vor einem Rosengebüsch suchen zu lassen, wäre vielleicht doch etwas übertrieben.


Der Hauseingang selbst ist durch strukturiertes Glas geschützt. Man wird dort nicht gleich nass, und die Pflanzen haben offenbar ebenfalls entdeckt, dass das Klima angenehm ist.

Auf den Stufen steht inzwischen ein kleiner Leuchtturm aus Gips.

Fast direkt darunter beziehungsweise in derselben Linie liegt eine rote Terrakotta-Katze.

Dann kommt die Holztür.

Daran hängt ein Kranz.

Der müsste irgendwann einmal erneuert werden.

Aber „irgendwann“ ist schließlich auch ein Zeitpunkt.


Auf der anderen Seite steht eine alte Laterne, die ich irgendwo abgestaubt habe.

Davor liegt die zweite schwarze Katze aus der Katzenschutzaktion.

Und seit Kurzem steht dort auch Gandalf.

Gandalf ist eine Pflanze.

Das muss ich vielleicht dazusagen, bevor jemand glaubt, bei mir wohne jetzt zusätzlich noch ein Zauberer im Hauseingang.

Obwohl – ein bisschen Magie schadet einem Garten schließlich nie.

Im Moment steht Gandalf noch in einem Plastiktopf.

Dieser Plastiktopf gefällt mir allerdings überhaupt nicht.

Deshalb bekommt Gandalf neue Schuhe.

Ja, richtig gelesen.

Schuhe.

Nicht ich.

Nicht Roland.

Nicht Joachim.

Die Pflanze.

Aber das ist wieder eine andere Geschichte.



Vor den Treppen auf der rechten Seite steht außerdem noch ein Gebilde aus Weide, ein Osterhase oder etwas in dieser Art.

Das Teil hat mir gut gefallen, aber mit der ursprünglich geplanten Bepflanzung wollte es ebenfalls nicht so recht klappen.

Also nahm ich den Topf, der darin steckt, und pflanzte auch dort Hauswurzen hinein.

Die Hauswurzen haben sich bei mir inzwischen offenbar herumgesprochen.

Nach dem Motto:

„Da vorne gibt es noch einen freien Platz. Da ziehen wir ein.“


Wenn du heute zu mir kommst, wirst du also schon draußen begrüßt.

Von Schildern.

Von einer Blumenwiese.

Von Hauswurzen.

Von Rosen.

Von Katzen.

Von Herzen.

Von Leuchttürmen.

Von Gandalf.

Und irgendwann vermutlich auch noch von irgendwelchen Schuhen, aus denen Pflanzen wachsen.



Wenn ich meinen Hauseingang heute anschaue, sehe ich deshalb nicht einfach Dekoration.

Ich sehe Erinnerungen.

Ich sehe meinen Sohn und den Betontrog, den er in seiner Lehrzeit gebaut hat.

Ich sehe meine Liebe zu Katzen.

Ich sehe die beiden schwarzen Katzen, mit deren Kauf gleichzeitig der Katzenschutz unterstützt wurde.

Ich sehe Dinge, die zunächst nicht funktioniert haben.

Pflanzen, die nicht wachsen wollten.

Ideen, die wieder verschwunden sind.

Und ich sehe Dinge, die viel schöner geworden sind, als ich sie jemals hätte planen können.

Fast nichts dort ist noch so, wie es ursprünglich gedacht war.

Und genau dadurch passt alles zu mir.


Vielleicht ist das die eigentliche Geschichte meines Logos.

Ein Logo ist für mich nicht bloß ein hübsches Bild.

Es erzählt etwas darüber, wofür ein Mensch steht.


.

Für die Hoffnung, dass auch in stürmischen Zeiten irgendwo etwas leuchtet.

Die Herzen stehen für Mitgefühl und dafür, Menschen so zu behandeln, wie ich selbst behandelt werden möchte.

Die Katzen stehen für all die Tiere, die mich begleitet haben, und für mein Herz für den Katzenschutz.

Und die Hauswurzen stehen vielleicht dafür, dass Leben manchmal genau dort gedeiht, wo man es gar nicht erwartet hätte.


Wenn du mich also fragst, wer mein Logo entworfen hat, dann müsste ich eigentlich antworten:

Das Leben.

Es hat sich Zeit gelassen.

Es hat immer wieder etwas ergänzt.

Einen Betontrog.

Ein paar Hauswurzen.

Eine Katze.

Zwei Herzen.

Einen Leuchtturm.

Und irgendwann stand ich davor und erkannte:

Das bin ja ich.

Mein Logo ist nicht erfunden worden.

Es ist gewachsen.

Stein für Stein.

Pflanze für Pflanze.

Katze für Katze.

Herz für Herz.

Und wahrscheinlich ist es noch lange nicht fertig.

Denn wenn ich eines gelernt habe, dann das:

Bei mir findet sich immer noch irgendwo ein Plätzchen für eine neue Idee.

Und notfalls bekommt sie eben Schuhe.



Wie ist das bei dir?

Gibt es bei dir auch einen Ort, einen Gegenstand oder eine kleine Ecke, die mit den Jahren zu einem Teil deiner eigenen Geschichte geworden ist?

Vielleicht war sie gar nicht geplant.

Vielleicht ist sie einfach gewachsen.

Erzähl mir gerne davon.

 
 
 

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