Die Hoya von meinem Vati 🌸
Manche Pflanzen kauft man.
Und manche nimmt man mit, weil man sie einfach nicht zurücklassen kann.
So war das bei meiner Hoya.
Die stand schon bei meinen Eltern, als meine Mutti noch gelebt hat, und sie ist wirklich alt, sicher älter als mein Sohn. Später war sie dann bei meinem Vati, und ehrlich gesagt war sie irgendwann die einzige Pflanze, die dort überhaupt noch überlebt hat, weil er sie wenigstens ab und zu einmal gegossen hat.
Mehr aber auch nicht unbedingt. 😄
Als mein Vati gestorben ist und ich die Wohnung ausgeräumt habe, war ich natürlich mit ganz anderen Dingen beschäftigt als damit zu schauen, ob irgendeine Pflanze gerade besonders glücklich ausschaut.
Aber die Hoya?
Die konnte ich nicht stehen lassen.
Erstens lasse ich Pflanzen nicht einfach verkommen, wenn ich noch eine Chance sehe, und zweitens hing an genau dieser Pflanze ja schon längst viel mehr als nur ein bisschen Grün.
Da steckte Mutti drin.
Da steckte Vati drin.
Da steckte ein Stück Zuhause drin.
Also kam sie mit nach Wernberg.
Ganz ehrlich, besonders schön sah sie damals nicht mehr aus. Ich habe alles weggeschnitten, was dürr, kaputt oder einfach nicht mehr zu retten war, und habe nur das stehen lassen, von dem ich dachte: Na, aus dir könnte vielleicht wieder was werden.
Und dann durfte sie erst einmal machen.
Heute steht sie bei mir hinter der Couch, auf einem Kastl an der Wand, ziemlich nah am Fenster. Als Rankhilfe hat sie übrigens kein schickes Designer-Dingsbums, sondern so ein Rankgitter, wie man es eigentlich draußen an Dachrinnen benutzt.
Passt zu mir. 😂
Hauptsache, es funktioniert.
Da wächst sie jetzt hoch, quer und sonst wohin, wie sie halt meint. Ab und zu richte ich ein bisschen was, wenn sie völlig eigene Pläne entwickelt, aber im Großen und Ganzen darf sie wachsen.
Und dieses Jahr hat sie mich dann wirklich überrascht.
Sie hat zum ersten Mal geblüht.
Da war ich ehrlich gesagt ganz baff.
So viele Jahre alt, so viel mitgemacht, einmal fast am Ende gewesen, dann umgezogen, zurückgeschnitten, neu gewachsen – und dann plötzlich eine Blüte.
Ich habe mich richtig gefreut.
Und gleichzeitig musste ich lachen, weil ich mir sofort gedacht habe:
Wenn die jetzt erst richtig auf den Geschmack kommt und irgendwann mehrere Blüten macht, brauche ich wahrscheinlich kein Raum- oder Wohnungsspray mehr.
Hoyas können ja ordentlich duften. 😄
Aber weißt du, was ich an dieser Pflanze eigentlich am schönsten finde?
Sie ist nicht bloß alt.
Sie trägt Erinnerungen.
Wenn ich sie anschaue, sehe ich nicht nur eine Pflanze hinter meiner Couch.
Ich sehe ein Stück meiner Eltern.
Und irgendwie ist es schön, dass etwas, das schon bei meiner Mutti da war und später bei meinem Vati weitergelebt hat, heute bei mir weiterwächst.
Nicht perfekt.
Nicht immer hübsch.
Aber lebendig.
Und vielleicht berührt mich genau das so.
Manches muss nicht neu sein, um schön zu sein.
Manches darf alt sein, Ecken haben, zurückgeschnitten werden, wieder wachsen und irgendwann ganz überraschend blühen.
Meine Hoya macht genau das.
Und ich hoffe sehr, sie macht noch lange weiter.
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