„Dann muss ich bestimmt meine Freunde bequatschen“ – Nein. Genau das möchte ich nicht.
Wenn aus deiner Kontaktliste plötzlich eine Kundenliste werden soll, wäre ich auch weg
Vielleicht kennst du dieses Bild ja auch: Du fängst mit irgendeinem selbstständigen Empfehlungsweg an und noch bevor du richtig verstanden hast, was du da eigentlich machst, sollst du dich hinsetzen, dein Handy nehmen und überlegen, wen du alles kennst, wem du schreiben könntest und welcher Mensch in deinem Umfeld vielleicht Interesse haben könnte.
Und wenn du bei dieser Vorstellung schon innerlich einen Schritt zurückgehst und denkst: „Ursel, wenn DAS dazugehört, bin ich raus“, dann kann ich dir nicht einmal böse sein, denn ganz ehrlich, mir würde es heute genauso gehen.
Vielleicht hast du so etwas sogar schon selbst erlebt. Da meldet sich plötzlich jemand bei dir, von dem du seit Jahren nichts gehört hast, fragt erst auffällig interessiert, wie es dir geht, und spätestens bei der dritten Nachricht merkst du, dass es eigentlich gar nicht darum ging, wie es dir geht, sondern dass irgendwo hinter diesem freundlichen „Hallooo, lange nichts gehört“ bereits ein Angebot mit den Hufen scharrt. 😹
Und genau solche Erfahrungen bleiben hängen, denn wenn du einmal das Gefühl hattest, dass jemand nicht dich gesehen hat, sondern in erster Linie einen möglichen Kunden oder eine mögliche Geschäftspartnerin, dann wirst du beim nächsten Mal verständlicherweise vorsichtiger.
Das Problem daran ist für mich nicht einmal, dass jemand einem Bekannten etwas anbietet, denn natürlich darf ich auch einer Freundin von etwas erzählen, das ich beruflich mache, und wenn sie genau danach sucht, wäre es ja geradezu albern, ausgerechnet ihr nichts davon zu sagen. Das Problem beginnt für mich dort, wo ich Menschen nicht mehr als Menschen sehe, sondern anfange, sie in meinem Kopf zu sortieren: Könnte kaufen. Könnte mitmachen. Muss ich noch einmal nachfassen.
Mei, da würde ich mich selber irgendwann nicht mehr leiden können. 😹
Und trotzdem möchte ich an dieser Stelle auch nichts schönreden, denn dieses Bild vom „erst einmal Freunde und Familie abklappern“ ist ja nicht irgendwann vom Himmel gefallen. Es gab und gibt Arbeitsweisen, bei denen genau das empfohlen wird, und auch ich habe Dinge kennengelernt und ausprobiert, bei denen ich heute sage: Das passt nicht mehr zu mir und so möchte ich nicht arbeiten.
Denn nur weil etwas irgendwo als Methode gelehrt wird, heißt das noch lange nicht, dass es zu mir, zu meinen Werten oder zu der Frau passen muss, die ich heute bin.
Vielleicht ist das überhaupt einer der größten Unterschiede zwischen dem, was ich früher unter „So macht man das eben“ verstanden habe, und dem, was ich heute mit Frautark aufbauen möchte, denn ich will nicht mehr einfach irgendeine Anleitung übernehmen und anschließend versuchen, mich selbst passend dazu zu machen. Ich möchte hinschauen, prüfen, lernen und dann entscheiden: Kann ich auf diese Art arbeiten und mich dabei morgens noch guten Gewissens im Spiegel anschauen?
Und bei Menschen aus meinem Umfeld ist meine Antwort inzwischen ziemlich klar.
Meine Freundin ist meine Freundin.
Meine Nachbarin ist meine Nachbarin.
Meine ehemalige Kollegin ist ein Mensch, mit dem ich vielleicht gern noch einen Kaffee trinken möchte, ohne dass über unserer Tasse unsichtbar ein Preisschild hängt.
Natürlich dürfen diese Menschen wissen, was ich mache, denn ich verstecke mein Business ja nicht im Keller hinter den Weihnachtskartons, und wenn jemand fragt, erzähle ich gern davon. Wenn ich weiß, dass eine Freundin gerade genau nach etwas sucht, das ich kenne, werde ich wahrscheinlich auch sagen: „Du, schau dir das einmal an, vielleicht ist das interessant für dich.“
Aber zwischen etwas anbieten und jemanden bearbeiten liegt für mich ein gewaltiger Unterschied.
Vielleicht kennst du das sogar aus deinem ganz normalen Alltag. Eine Freundin erzählt dir, dass ihre Katze plötzlich jedes Futter stehen lässt, und du sagst ihr, welches deine frisst. Eine andere sucht einen guten Friseur und du nennst ihr deinen. Jemand fragt dich nach deinem Urlaub und fünf Minuten später schwärmst du von der kleinen Pension, in der du so wunderbar geschlafen hast, obwohl dir die Pension dafür keinen Cent bezahlt.
Wir Menschen empfehlen ständig.
Weil wir Erfahrungen teilen.
Weil wir anderen manchmal einen Umweg ersparen möchten.
Weil wir uns freuen, wenn wir etwas gefunden haben, das für uns funktioniert.
Schwierig wird es für mich erst dann, wenn aus diesem natürlichen Erzählen ein Auftrag wird, bei dem du plötzlich denkst, du müsstest jeden Menschen in deinem Umfeld irgendwie zu einer Entscheidung bringen.
Und genau das möchte ich einer Frau, die mit mir arbeitet, nicht beibringen.
Ich möchte nicht, dass du abends vor deiner Kontaktliste sitzt und bei jedem Namen überlegst, wie du jetzt am geschicktesten ein Gespräch anfängst. Ich möchte nicht, dass du Menschen anschreibst, nur weil irgendeine Liste sagt, dass du heute noch fünf Kontakte machen musst, und ich möchte schon gar nicht, dass du nach dem dritten Nein glaubst, du hättest bloß noch nicht die richtige Formulierung gefunden.
Ein Nein darf ein Nein sein.
Und manchmal ist ein Schweigen übrigens auch ziemlich eindeutig. 😹
Das heißt nicht, dass du dich mit deinem Business verstecken sollst, bis irgendwann zufällig jemand an deiner Haustür klingelt und fragt: „Entschuldigung, haben Sie vielleicht eine selbstständige Möglichkeit für mich?“ – mei, darauf könnten wir vermutlich eine Weile warten.
Natürlich gehört Sichtbarkeit dazu.
Menschen müssen wissen, dass es dich gibt, wofür du stehst und womit sie zu dir kommen können, denn sonst können sie dich schlecht finden. Aber für mich ist Sichtbarkeit etwas völlig anderes als Hinterherlaufen.
Ich kann erzählen, was mich beschäftigt. Ich kann meine Erfahrungen teilen, Fragen beantworten, einen Blog schreiben, einen Beitrag veröffentlichen, in einem Gespräch sagen, womit ich mich beschäftige, und damit eine Tür öffnen.
Aber durch diese Tür muss die andere Frau schon selber gehen.
Ich kann sie nicht am Ärmel hineinziehen.
Und genau das fühlt sich für mich heute so viel besser an, denn ich möchte Menschen erreichen, die irgendwann von sich aus denken: „Moment mal, was die Ursel da erzählt, interessiert mich.“ Nicht Menschen, die irgendwann antworten, weil sie einfach ihre Ruhe vor mir haben wollen. 😹
Vielleicht dauert dieser Weg länger als eine Liste mit hundert Namen abzuarbeiten.
Kann sein.
Aber ich baue lieber langsam etwas auf, das zu mir passt, als schnell etwas, bei dem ich mich selbst verliere.
Und vielleicht ist genau das auch für dich wichtig, wenn du gerade überlegst, ob ein selbstständiger Empfehlungsweg überhaupt infrage kommen könnte, denn vielleicht war dein größtes Nein bisher gar nicht zur Selbstständigkeit.
Vielleicht war dein Nein nur zu der Vorstellung, was du dafür angeblich tun müsstest.
Vielleicht hast du gedacht, du müsstest deine Freundinnen bequatschen, ständig Nachrichten verschicken, jedem Menschen etwas anbieten und irgendwann bei Familienfeiern vorsichtshalber allein am Katzentisch sitzen, weil sich sonst keiner mehr neben dich traut. 😹
Wenn das dein Bild war, dann verstehe ich dein Nein.
Nur ist das nicht der Weg, den ich mit Frautark gehen möchte.
Ich möchte, dass du lernst, deine eigene Stimme zu finden, sichtbar zu werden, Beziehungen aufzubauen und Menschen die Möglichkeit zu geben, selbst neugierig zu werden, und das kann bei jeder Frau anders aussehen, weil du vielleicht gern schreibst, während eine andere lieber redet, eine dritte kleine Videos liebt und die vierte schon beim Gedanken daran spontan hinter der Zimmerpflanze verschwindet.
Du musst nicht zu mir werden.
Du musst auch nicht zur Frau werden, die dir irgendwann einmal dieses unangenehme „Hallooo, lange nichts gehört“ geschickt hat.
Du darfst deinen eigenen Weg finden.
Und deine Freunde dürfen dabei einfach deine Freunde bleiben.
Mei, die müssen schließlich schon genug mit dir aushalten. 😹
Wenn du noch ein Stück mit mir weitergehen möchtest
Diese Geschichte gehört zu meiner Reihe über die alten Schubladen rund um selbstständiges Arbeiten, und wenn du erst einmal wissen möchtest, warum ich überhaupt angefangen habe, diese Schubladen einzeln aufzumachen, findest du den großen Gedanken hier:
Und wenn dein Gedanke weniger „Ich müsste meine Freunde bequatschen“ und eher „Ich kann doch gar nicht verkaufen“ lautet, dann passt diese Schublade wahrscheinlich besser zu dir:


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