Wo kann ich mich bei dir bewerben? – Warum selbstständig von zu Hause kein Homeoffice-Job ist
Manchmal suchen wir einen Job – und stolpern über eine ganz andere Möglichkeit
„Und wo kann ich mich bei dir bewerben?“
Diese Frage bekomme ich tatsächlich immer wieder, und jedes Mal verstehe ich sehr gut, woher sie kommt, denn wenn du irgendwo liest, dass eine Frau von zu Hause arbeitet, sich ihre Zeit ziemlich frei einteilen kann und vielleicht sogar erzählt, dass sie sich damit ein zusätzliches Einkommen aufbaut, dann ist der erste Gedanke doch völlig logisch: Aha, die hat einen Homeoffice-Job. Vielleicht wäre das ja auch etwas für mich.
Vielleicht bist du gerade selbst auf der Suche, weil dein bisheriger Arbeitsplatz dich zunehmend Kraft kostet, weil die Fahrerei nervt, weil dein Körper inzwischen deutlicher als früher sagt, was er von acht Stunden außer Haus hält, oder weil du einfach gern ein bisschen mehr finanziellen Spielraum hättest und deshalb abends auf dem Sofa durchs Handy scrollst und bei allem hängenbleibst, wo „von zu Hause“ steht.
Und dann siehst du vielleicht mich.
Eine Frau jenseits der 50, die von zu Hause arbeitet, ihren Kaffee neben sich stehen hat, zwischendurch eine Katze vom Schreibtisch pflückt und nicht morgens um sieben irgendwo einstempeln muss, und natürlich kann da der Gedanke entstehen: Mei, wenn die das macht, vielleicht gibt es da einen Job für mich.
Nur muss ich dich genau an dieser Stelle wahrscheinlich ein kleines bisschen enttäuschen.
Ich habe keinen Job für dich.
Nicht weil ich dich nicht haben möchte, sondern weil ich überhaupt keine Arbeitsplätze vergebe, denn ich bin keine Arbeitgeberin, bei der du dich bewirbst, anschließend einen Arbeitsvertrag unterschreibst und am Monatsende dein festes Gehalt bekommst.
Was ich dir zeigen kann, ist ein selbstständiger Weg, den du von zu Hause aufbauen kannst, und das klingt im ersten Moment vielleicht nach einem kleinen Unterschied in der Wortwahl, ist aber in Wirklichkeit ein ziemlich großer Unterschied im Denken.
Denn wenn du einen Job suchst, dann suchst du normalerweise jemanden, der dir Arbeit gibt. Du möchtest wissen, wie viele Stunden du arbeiten sollst, was deine Aufgaben sind, wie hoch dein Stundenlohn ist, wann das Geld kommt und vielleicht auch, wer dir erklärt, was du am Montagmorgen als Erstes tun sollst, und daran ist überhaupt nichts verkehrt, denn genau so funktioniert eine Anstellung.
Bei einer Selbstständigkeit funktioniert die Sache anders, denn da gibt dir niemand einfach Arbeit und bezahlt dich dafür, dass du eine bestimmte Anzahl Stunden anwesend warst, sondern du beginnst, dir selbst etwas aufzubauen, und plötzlich lautet die Frage nicht mehr nur „Was bekomme ich für meine Stunde?“, sondern auch „Was kann aus dem entstehen, was ich heute tue?“
Und ich glaube, genau an dieser Stelle entsteht eines der größten Missverständnisse rund ums Arbeiten von zu Hause, weil „von zu Hause“ inzwischen fast automatisch mit „Homeoffice-Job“ gleichgesetzt wird, obwohl der Ort, an dem ich arbeite, noch überhaupt nichts darüber sagt, in welcher Form ich arbeite.
Wenn eine Steuerberaterin ihre eigene Kanzlei von zu Hause führt, ist sie schließlich auch nicht plötzlich angestellt, nur weil ihr Schreibtisch im eigenen Haus steht, und eine Autorin wird nicht zur Homeoffice-Angestellten, weil sie ihr Buch am Küchentisch schreibt.
Zu Hause ist erstmal nur der Ort.
Was dahintersteht, ist eine ganz andere Frage.
Und genau deshalb werde ich bei diesem Thema inzwischen lieber einmal zu deutlich als einmal zu schwammig, denn ich möchte nicht, dass du aufgrund irgendeines hübschen Satzes glaubst, bei mir gäbe es einen Minijob, einen festen Stundenlohn oder irgendeine Heimarbeit, bei der dir einmal pro Woche jemand ein Päckchen schickt und du dann gemütlich irgendwas zusammenbaust.
Mei, das Internet ist inzwischen voll mit solchen Versprechen, und wahrscheinlich hast du sie selbst schon gesehen: ein bisschen Verpacken hier, ein bisschen Tippen dort, vielleicht noch ein paar Produkttests und irgendwo steht eine erstaunlich hübsche Summe daneben, die man angeblich ganz bequem von der Couch verdienen kann.
Da verstehe ich sogar, dass eine Frau irgendwann überhaupt nicht mehr weiß, was hinter „Arbeiten von zu Hause“ eigentlich stecken soll.
Bei mir sollst du es deshalb möglichst früh wissen.
Es geht um Selbstständigkeit.
Das bedeutet, du bekommst auf der einen Seite etwas, das ich persönlich sehr schätze: mehr Gestaltungsspielraum. Du kannst dir vieles anders einteilen, du kannst lernen, in deinem eigenen Tempo wachsen und mit der Zeit herausfinden, welche Art zu arbeiten überhaupt zu dir passt, und gerade wenn du schon ein paar Jahrzehnte Berufsleben hinter dir hast, kann dieses Gefühl, nicht mehr bei allem um Erlaubnis fragen zu müssen, verdammt gut tun.
Aber zur Wahrheit gehört eben auch die andere Seite, denn Selbstständigkeit bedeutet Verantwortung, und die kommt leider nicht hübsch verpackt mit Schleifchen daher, sondern sitzt vom ersten Tag an mit am Tisch.
Niemand garantiert dir ein bestimmtes Einkommen.
Niemand bezahlt dich allein dafür, dass du heute drei Stunden am Laptop gesessen hast.
Und niemand kann dir seriös versprechen, dass du nach drei Monaten Summe X verdienst, wenn du nur brav eine bestimmte Anleitung abarbeitest.
Wenn dir genau das jemand verspricht, würde ich an deiner Stelle übrigens ziemlich genau hinhören.
Nicht weil Selbstständigkeit etwas Unsicheres oder grundsätzlich Schwieriges sein muss, sondern weil dein Ergebnis von dem abhängt, was du daraus machst, von deiner Zeit, deinem Lernen, deinem Dranbleiben, deinen Fähigkeiten, deiner persönlichen Situation und natürlich auch davon, ob dieser Weg überhaupt zu dir passt.
Und vielleicht sitzt du jetzt da und denkst: Na prima, Ursel, dann ist ein normaler Job doch viel sicherer.
Kann sein.
Für dich vielleicht sogar ganz eindeutig.
Und dann ist das vollkommen in Ordnung.
Ich möchte nämlich gar nicht jede Frau davon überzeugen, dass Selbstständigkeit das große Glück auf Erden ist, denn das wäre genauso unsinnig, wie jeder Frau dieselben Schuhe anzuziehen und anschließend überrascht zu sein, dass die Hälfte davon Blasen bekommt.
Vielleicht brauchst du gerade die Sicherheit eines festen Gehalts, vielleicht möchtest du morgens wissen, wann du anfängst und nach Feierabend den Kopf wirklich ausschalten, vielleicht möchtest du gar kein eigenes kleines Business aufbauen und hast auch keine Lust, dich mit Dingen zu beschäftigen, die bei einer Selbstständigkeit nun einmal dazugehören.
Dann darfst du genau das wollen.
Aber vielleicht liest du diese Zeilen auch und merkst, dass in dir etwas ganz anderes zuckt.
Vielleicht hast du nämlich gar nicht nur nach einem Job gesucht.
Vielleicht hast du nach einer Möglichkeit gesucht.
Nach etwas, das du neben deinem bisherigen Leben langsam aufbauen kannst, ohne gleich alles umzuwerfen, nach etwas, bei dem du wieder lernen und wachsen kannst, vielleicht auch nach einer Möglichkeit, dir langfristig etwas mehr finanziellen Spielraum zu schaffen und gleichzeitig das Gefühl zurückzubekommen, dass du selbst noch etwas gestalten kannst.
Und dann wird die Frage plötzlich eine andere.
Nicht mehr: „Wo kann ich mich bei dir bewerben?“
Sondern vielleicht: „Wie würde so ein selbstständiger Weg für mich überhaupt aussehen?“
Und DAS ist eine Frage, über die ich sehr gern mit dir rede, denn dann reden wir nicht mehr darüber, ob ich irgendwo einen freien Arbeitsplatz für dich habe, sondern darüber, was du suchst, was du brauchst, was du mitbringst und ob das, was ich aufgebaut habe und weiter aufbaue, überhaupt zu deinem Leben passen könnte.
Vielleicht passt es.
Vielleicht auch nicht.
Beides darf bei einem ehrlichen Gespräch herauskommen.
Denn ich möchte nicht, dass du bei mir anfängst, weil du dachtest, du hättest dich auf einen Homeoffice-Job beworben und irgendwann drei Ecken später merkst, dass wir von Anfang an über zwei völlig verschiedene Dinge gesprochen haben.
Ich möchte lieber, dass du von Anfang an weißt, woran du bist und dann selbst entscheiden kannst, ob du sagst: „Nee Ursel, ich suche wirklich eine Anstellung“ oder ob da vielleicht doch diese kleine neugierige Stimme auftaucht und sagt: „Moment mal … selbstständig habe ich bisher überhaupt nicht in Betracht gezogen. Erzähl mal.“
Denn genau darum geht es mir bei Frautark.
Nicht darum, dir zu erklären, welchen Weg du gehen sollst, sondern dir eine Möglichkeit zu zeigen, damit DU prüfen kannst, ob sie zu dir gehört.
Und vielleicht ist das schon der erste Unterschied zwischen einem Job und einem eigenen Weg.
Bei einem Job fragst du irgendwann: „Nehmen die mich?“
Bei einem eigenen Weg darfst du auch fragen:
„Will ICH das eigentlich?“
Und mei, vielleicht ist genau diese Frage nach ein paar Jahrzehnten Arbeitsleben gar keine so schlechte Abwechslung. 😹
Wenn du noch ein Stück mit mir weitergehen möchtest
Dieser Artikel gehört zu meiner Reihe über die vielen Missverständnisse rund um selbstständiges Arbeiten von zu Hause, denn „Homeoffice-Job oder Selbstständigkeit?“ ist nur eine dieser alten Schubladen, in die wir neue Möglichkeiten gern hineinstecken.
Wenn du erst einmal den großen Gedanken hinter dieser Reihe lesen möchtest, findest du hier den Dachartikel:
Manchmal ist nicht der neue Weg das Problem – sondern die alte Schublade
→ Hier weiterlesen:
Und wenn du wissen möchtest, warum Frautark für mich überhaupt so viel mit dem eigenen Weg und dem eigenen Kompass zu tun hat, dann geht es hier weiter:
Der Abend, an dem ich meinen Kompass fand
→ Hier weiterlesen:


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