top of page

Wenn bei Hitze plötzlich sogar der Appetit Urlaub macht

3. Sept.
5 Min. Lesezeit

Es gibt diese Tage im Sommer, da mach ich morgens die Balkontür auf und weiß eigentlich schon nach den ersten paar Sekunden, was mich erwartet, weil einem diese warme Luft nicht freundlich entgegenkommt, sondern sich eher so anfühlt, als hätte jemand über Nacht beschlossen, draußen einen Backofen aufzustellen, und während Krümel wahrscheinlich irgendwo einen Platz sucht, an dem wenigstens noch ein Hauch von Luft vorbeizieht, steh ich da und denk mir: „Na bravo, das wird heut wieder so ein Tag."

Normalerweise kann ich übers Essen ziemlich gut nachdenken, ich weiß, was ich mag, weiß inzwischen auch ganz ordentlich, was zu mir passt, und wenn ich Hunger hab, dann meldet der sich schon, aber wenn es richtig heiß wird, passiert bei mir manchmal genau das Gegenteil: Der Hunger verschwindet einfach, als hätte er beschlossen, dass er bei dreißig Grad nicht zuständig ist, und ich kann den Kühlschrank aufmachen, hineinschauen, wieder zumachen und fünf Minuten später noch einmal nachsehen, ohne dass mich irgendetwas wirklich anlacht.

Nicht einmal dieses klassische „Ach komm, irgendwas geht immer" funktioniert dann besonders gut, denn du kannst mir einen Teller hinstellen, der an einem normalen Tag wahrscheinlich wunderbar wäre, und ich schau ihn an, schau noch einmal hin und denk mir bloß: „Mei, muss des jetzt wirklich sein?"

Genau an solchen Tagen merk ich dann, wie viel ich über mich selber gelernt hab, denn früher hätte ich entweder gar nichts gegessen und irgendwann am Nachmittag gemerkt, dass mein Körper mit dieser grandiosen Entscheidung offenbar nicht besonders einverstanden ist, oder ich hätte mir irgendetwas hineingezwungen, bloß weil man halt schließlich essen muss, und beides war nicht unbedingt das, was ich heute noch als besonders schlau bezeichnen würde.

Also mach ich's inzwischen anders, nicht spektakulär und ganz sicher nicht mit irgendeinem ausgeklügelten Sommer-Ernährungsplan an der Kühlschranktür, sondern eher so, wie ich inzwischen vieles mache: Ich schau, was heute überhaupt geht.

Dann hol ich mir zum Beispiel meinen Joghurt aus dem Kühlschrank, und allein dass er schön kalt ist, macht an so einem Tag schon einen Unterschied, weil ich wirklich keine Lust habe, mich vor einen dampfenden Teller zu setzen, wenn ich selber schon das Gefühl hab, gleich zu schmelzen, und während ich mir meine Portion rausnehme, die Kühle noch an den Fingern spüre und draußen irgendwo eine Amsel meint, sie müsste trotz der Hitze noch ein Konzert veranstalten, denk ich mir: „Na also, das geht doch."

Manchmal kommt noch etwas dazu, manchmal bleibt es erst einmal dabei, und ich hab aufgehört, daraus ein Drama zu machen, denn ich muss an solchen Tagen nicht beweisen, dass ich ein vollständiges Drei-Gänge-Menü schaffe, bloß damit irgendeine imaginäre Ernährungsaufsicht zufrieden mit mir ist.

Ich muss bloß aufpassen, dass aus „Mir ist zu heiß zum Essen" nicht irgendwann „Jetzt ist mir auch noch schwummrig, weil ich seit Stunden praktisch nichts gegessen hab" wird, denn das kenn ich natürlich auch, und ganz ehrlich, wenn man einmal erlebt hat, wie blöd sich das anfühlt, wird man irgendwann ein bissel pragmatischer.

Also steht mein kalter Joghurt da, daneben vielleicht mein großes Glas mit meinem orangefarbenen Getränk, und plötzlich schaut die Sache schon ganz anders aus, weil ich nicht mehr vor einem riesigen Teller sitze und denke, ich müsste jetzt gegen meinen Appetit ankämpfen, sondern einfach etwas vor mir habe, bei dem mein Kopf sagt: „Ja, das kriegen wir hin."

Und genau in solchen Momenten muss ich manchmal an früher denken, weil ich da oft so funktioniert hab wie in ganz anderen Bereichen meines Lebens auch: Es gab etwas zu tun, also wurde es gemacht, ob ich gerade Lust hatte oder nicht, und dieses Prinzip kann im Berufsleben ganz praktisch sein, beim eigenen Körper ist es manchmal weniger genial, weil der sich nicht immer besonders dafür interessiert, was auf meiner inneren To-do-Liste steht.

Heute hör ich früher hin. Nicht bei jedem kleinen Ziepen, nicht mit der Lupe und ganz sicher nicht so, dass mein ganzer Tag nur noch um meinen Körper kreist, aber ich merk inzwischen schneller, wenn Hitze bei mir eben bedeutet: Mach's dir einfacher.

Dann wird eben nicht groß gekocht, dann muss nichts dampfen, dann darf auch mal etwas kalt sein, und dann esse ich lieber kleine Sachen über den Tag verteilt, wenn mir danach ist, statt mich mittags vor einen Teller zu setzen, bei dessen Anblick mein Appetit endgültig die Koffer packt.

Und das Verrückte ist, dass so etwas von außen wahrscheinlich völlig unspektakulär aussieht, denn da sitzt halt eine Frau mit ihrem Joghurt in der Küche oder vielleicht auf dem Balkon und isst ein paar Löffel, während andere vermutlich gar keinen Gedanken daran verschwenden würden, aber für mich steckt da inzwischen ziemlich viel drin, weil ich nicht mehr gegen mich arbeite.

Wenn ich merke, dass heute weniger geht, dann ist das eben so, und morgen kann es schon wieder ganz anders sein.

Und wenn abends die Luft ein bissel angenehmer wird, die Wohnung langsam wieder aufhört, sich wie ein Gewächshaus anzufühlen, und plötzlich doch dieser kleine Hunger um die Ecke schaut, dann muss ich manchmal lachen und denk mir: „Na schau, der Herr Appetit ist auch wieder da. Hast ausgeschlafen?"

Vielleicht kennst du das selber, auch wenn dein Körper bei Hitze ganz anders reagiert als meiner, denn manchmal sind es ja gar nicht die großen Dinge, die einem den Alltag leichter machen, sondern dieser Moment, in dem man aufhört, sich selber ständig vorzuschreiben, wie etwas sein müsste, und stattdessen schaut, wie es heute tatsächlich ist.

Bei mir heißt das an heißen Tagen eben manchmal: weniger großes Essen, mehr kleine Lösungen, etwas Kaltes, etwas, das ich mag, und vor allem kein schlechtes Gewissen, bloß weil mein Körper heute einen anderen Plan hat als gestern.

Und wenn ich dann später meine Schüssel wegstelle, draußen immer noch die warme Luft steht und Krümel irgendwo lang ausgestreckt liegt, als hätte er persönlich beschlossen, sich bis zum Abend keinen Zentimeter mehr zu bewegen, dann denk ich mir manchmal: Eigentlich macht der Kerl das ganz gescheit. Wenn's heiß ist, macht er langsam.

Vielleicht muss man nicht alles komplizierter machen. 😄💚

🌿 Wegweiser durchs Urselland

Wenn du gerade gedacht hast: „Ja mei, bei mir ist das im Sommer auch so", dann stöber gern noch ein Stück weiter durch mein Urselland, denn gerade bei Gesundheit & Alltag erzähle ich immer wieder von diesen kleinen Situationen, bei denen man manchmal erst im Rückblick merkt, wie viel sich verändert hat.

💚 Wenn du isst und dein Körper trotzdem nach Versorgung ruft

🚻 Wenn eine Toilette unterwegs nicht Luxus ist, sondern Sicherheit
 
🐾 Krümels Welt

Und wenn dir nach all den Körpergeschichten eher nach einem schwarzen Kater mit eigener Meinung ist, dann komm noch kurz mit zu Krümel. Der hat für Hitze vermutlich ohnehin nur eine Lösung: liegen bleiben und Personal arbeiten lassen. 😹


#GesundheitUndAlltag
#Frautark50Plus
#GeschichtenAusDemLeben
#Frauen50Plus
#SelbstbestimmtMitHerzUndKatze
#WegweiserDurchsUrselland

Kommentare


bottom of page