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Der Stromer, das Kieswerk und die verschwundene Rosette Eine Wasser-Saga in drei Teilen – Teil 2

21. Aug.
4 Min. Lesezeit


Unser Kieswerk hatte mehrere Filialen

Nachdem der Wasserhahn unten im Keller beschlossen hatte, Bestandteil unseres Hauses zu bleiben, und Joachim inzwischen mit Rohrnippelextraktor, Gewindeschneider und seinem ganz persönlichen Ehrgeiz an diesem vermaledeiten Stück Metall arbeitete, war er sowieso mittendrin in unserer unfreiwilligen Wasserwoche. Und wenn man schon dabei ist, Werkzeug herumliegt und die Sachen seit Monaten darauf warten, dass sich endlich jemand ihrer erbarmt, dann macht man halt weiter.



Der tropfende Heizkörper oben im Klo, mit dem die ganze Geschichte überhaupt angefangen hatte, wurde ausgetauscht, die Absperrhähne, die nicht mehr in Ordnung waren, kamen dran, und irgendwann stand Joachim vor unserem Druckspüler.



Ein Druckspüler, der tatsächlich mit Druck spült

Beim WC wollten wir damals ganz bewusst keinen Spülkasten, deshalb war dort ein Druckspüler eingebaut worden, nur funktionierte der inzwischen schon lange nicht mehr richtig. Gescheit spülen war jedenfalls etwas anderes, denn das Wasser kam eher gemütlich hinterher, als würde es sagen: Ja mei, bin doch schon unterwegs, hetz mich ned. 



Joachim machte das Ding jetzt im Zuge der ganzen Aktion auf und irgendetwas am Innenleben irritierte ihn. Und weil er eben Stromer und kein Wasserer ist und nicht einfach so tut, als wüsste er etwas, was er nicht weiß, machte er sich kundig.



Dabei stellte sich heraus, dass dort ausgerechnet die Ausführung für ein Urinal eingebaut worden war und nicht die fürs WC. Diese Ausführung hatte innen zusätzlich ein Sieb, das bei einem normalen WC-Druckspüler so gar nicht nötig gewesen wäre und natürlich auch wieder ein Teil ist, das irgendwann Aufmerksamkeit braucht.



Wussten wir nicht.



Jetzt sitzt dort ein ganz normaler Druckspüler fürs WC, und was soll ich sagen: Man drückt drauf und das Wasser kommt tatsächlich mit Druck.



Ein Druckspüler, der mit Druck spült. Stell dir vor. 😂

Nach Jahren, in denen das Wasser eher gemütlich daherkam, kann eine Frau sich offenbar auch über sehr einfache Dinge freuen. Andere brauchen Schmuck, ich steh im Klo und freu mich über Wasserdruck.



Woher soll ich wissen, was mir keiner sagt?

Aber damit war Joachims Entdeckungsreise noch lange nicht beendet, denn irgendwann nahm er sich auch unseren Hauswasserfilter vor und schaute erst einmal nach, was bei genau diesem Modell eigentlich an Wartung vorgesehen ist.



Und siehe da: Auch der möchte regelmäßig gereinigt beziehungsweise gewartet werden.


Der sitzt seit 2020 bei uns. Hat uns bloß niemand erzählt.


Und genau da wurde die ganze Geschichte für mich noch einmal interessanter, denn wir reden ja nicht von irgendeiner unbekannten Installation in einem Haus, das noch nie ein Installateur gesehen hat. Der erste Betrieb, den wir gerufen hatten und auf dessen Rückmeldung wir seit September warteten, ist genau der Betrieb, der die Wasserleitungen in diesem Haus vor ungefähr 30 Jahren eingebaut hat. Schon meine Schwiegerleute hatten die Betreuung dieser Dinge dort gelassen und später mein Schatz genauso.



Wenn ich also irgendwo erwartet hätte, dass jemand weiß, was an unserer Installation sitzt, was davon gewartet werden muss und worauf wir achten sollten, dann genau dort.


Ich bin schließlich keine Installateurin. Wenn mir jemand sagt: „Ursel, dieser Filter muss regelmäßig kontrolliert oder gereinigt werden“, dann kann ich mich darum kümmern. Ich kann mir das aufschreiben, jemanden holen, Joachim fragen oder mich selber kundig machen. Aber ich kann schlecht eines Morgens aufwachen und denken: Mei, heute hab ich so ein Gefühl. Irgendwo in meinem Haus sitzt bestimmt ein Filter, von dessen Wartung mir noch nie jemand erzählt hat. 



Joachim machte das Ding auf.


Und ich sag’s einmal so: Da war gefühlt ein ganzes Kieswerk drin. 



Und unser Kieswerk hatte Außenstellen

Denn nachdem der Hauswasserfilter und das System jetzt ordentlich gereinigt worden waren, sahen wir erst einmal, was danach noch an Dreck mitkam und sich oben wieder in den Perlatoren sammelte.



Und bevor jetzt jemand den erhobenen Zeigefinger aus der Tasche holt und uns erklärt, dass man Perlatoren reinigen muss: Ja. Wissen wir. Haben wir auch vorher gemacht. Regelmäßig sogar, und wenn es nötig war, wurden sie auch einmal ausgetauscht. Wir haben mit Härtegrad 4 sehr weiches Wasser, große Kalkberge waren bei uns also sowieso nicht das Problem.



Was uns jetzt überrascht hat, war etwas ganz anderes, nämlich was nach dieser großen Reinigungsaktion noch aus dem System herauskam und plötzlich oben sichtbar wurde.



Da schaut man dann schon ein bisserl anders, vor allem, wenn vorher durchaus einmal über unseren Wasserdruck gelästert worden war. Vielleicht hatte der nämlich gar keinen schlechten Charakter, sondern musste sich einfach jahrelang durch unser hauseigenes Kieswerk kämpfen. 😁



Von einem Filter zum nächsten Gedanken

Und genau an diesem Punkt fiel mir wieder etwas ein, das ich schon fast vergessen hatte. In meiner früheren Wohnung hatte ich nämlich selbst einmal einen zusätzlichen Filter direkt fürs Trinkwasser, nicht so ein kleines Kännchen zum Hinstellen, sondern einen richtigen Filter vorm Wasserhahn. Irgendwann war die Filterpatrone hinüber, das Thema verschwand aus meinem Alltag und damit war es für mich erst einmal erledigt.



Jetzt, nachdem ich gesehen habe, was Joachim aus unserem System geholt hat, denke ich darüber plötzlich wieder ganz anders nach. Nicht, weil mir irgendeiner erzählen muss, dass ich unbedingt irgendein tolles Filtersystem brauche, und auch nicht, weil ich jetzt aus ein bisschen sichtbarem Dreck eine Gesundheitsgeschichte machen möchte. Aber für den Wasserhahn, aus dem ich mein Trinkwasser nehme und mit dem ich meine Suppe, Nudeln und alles andere zum Essen koche, möchte ich mich durchaus noch einmal kundig machen, welche Möglichkeiten es heute gibt und was davon für uns sinnvoll wäre.



Joachim denkt sogar schon einen Schritt weiter und überlegt, ob man unser Filtersystem am Haus irgendwann grundsätzlich anders lösen könnte. Und da musste ich wieder schmunzeln, denn auch daraus hätte möglicherweise ein Auftrag werden können.



Nicht weil uns jemand etwas hätte aufschwatzen sollen, sondern weil manchmal ein einziger Satz reicht: „Wenn wir schon einmal da sind, sollen wir uns das auch anschauen?“ 



Von der Wand bis zur Tapete denken ist halt schön. Manchmal sollte man den Kleister dazwischen nicht vergessen. 😁



Und während Joachim bei allem, was ihm komisch vorkam, nachschaute, sich kundig machte und Stück für Stück weiterarbeitete, wurde mir immer deutlicher, dass diese Geschichte längst nicht mehr bloß von einem tropfenden Heizkörper und einem störrischen Wasserhahn handelt.



Denn der Elektriker, der das alles ursprünglich gar nicht machen sollte, fand inzwischen heraus, was beim Wasser los war. Und die Fachleute, die wir dafür eigentlich geholt beziehungsweise gefragt hatten, waren längst aus der Geschichte verschwunden. Zumindest bis heute.



Fortsetzung folgt. 


Weiterlesen: Und irgendwann ging es längst nicht mehr nur um Wasser, Filter und einen Rohrnippelextraktor, sondern um eine ganz andere Frage: Was bedeutet eigentlich Verbindlichkeit? → Teil 3: Er meldet sich. Bestimmt gleich. 



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