Der Stromer, das Kieswerk und die verschwundene Rosette Eine Wasser-Saga in drei Teilen – Teil 3
Er meldet sich. Bestimmt gleich.
Wenn ich jetzt auf diese ganze Wasserwoche zurückschaue, muss ich gleichzeitig lachen und den Kopf schütteln, denn angefangen hat alles mit einer tropfenden Heizung oben im Klo und dem völlig normalen Gedanken: Dafür hole ich einen Fachmann.
Wir hatten sogar gleich mehrere gute Gründe, genau dort anzufragen, wo wir angefragt haben. Der erste Betrieb hatte die Wasserleitungen in diesem Haus vor rund 30 Jahren selbst installiert und war schon für meine Schwiegerleute Ansprechpartner gewesen, später für meinen Schatz genauso. Der Fachmann kam im September, schaute sich die Sachen an, maß aus, machte aus dem passenden Heizkörper noch ein kleines Beschaffungsthema und wollte sich melden.
Wir warten heute noch.
Der zweite Versuch war auch nicht viel erfolgreicher
Dann haben wir bewusst einen zweiten Betrieb hier aus der Region angesprochen, weil wir solche Arbeiten gern vor Ort vergeben. Mein Schatz hatte vorher schon persönlich darüber gesprochen, Joachim war als Anrufer angekündigt und es war sogar bekannt, dass hinter den kleinen Reparaturen möglicherweise später noch mehr steckt, denn Wärmepumpe und Photovoltaik sind bei uns durchaus Themen.
Vorher hieß es sinngemäß: Ja klar, machen wir, erst das Kleine und später vielleicht das Große. Beim Anruf hieß es dann: Zurzeit keine Aufträge.
Und ich sag’s noch einmal: Ein Betrieb darf einen Auftrag ablehnen. Ein Handwerker darf voll sein. Material kann fehlen, Mitarbeiter können krank werden, Baustellen können länger dauern und manchmal passt ein Auftrag schlicht nicht mehr hinein. Das alles verstehe ich, vielleicht auch deshalb, weil ich selbst lange genug mit Menschen gearbeitet habe, um zu wissen, dass man nicht alles möglich machen kann.
Aber ein ehrliches „Das schaffen wir gerade nicht“ ist mir immer noch tausendmal lieber als ein „Ich melde mich“, auf das ich fast ein Jahr warte.
Und Joachim sieht das ähnlich, obwohl – oder vielleicht gerade weil – er die andere Seite kennt. Er war Maurer, ist heute Elektriker, kennt den direkten Kundenbereich und hat selbst in einem winzigen Betrieb gearbeitet, in dem sie gerade einmal zu dritt waren: Chef, Geselle und er damals als Umschüler, später noch als Angestellter. Er weiß, wie voll ein Arbeitstag sein kann, was alles dazwischenkommt und dass kleine Aufträge manchmal nervig zwischen den großen Baustellen hängen.
Er weiß aber eben auch, dass ein kleiner Betrieb es manchmal trotzdem schafft, so etwas irgendwo hineinzuschieben oder wenigstens vernünftig zu kommunizieren, wenn es wirklich nicht geht.
Und dann machte es eben der Stromer
Während wir auf Fachleute warteten, fing Joachim unten im Keller mit genau dem einen Wasserhahn an, den er sowieso selbst machen wollte. Der brach ab. Und daraus wurde der ganze Kabums.
Fliesen auf, Putz weg, Rohrnippelextraktor, Gewindeschneider, weiterprobieren, fluchen, nicht aufgeben – und zwischendrin nahm er die anderen Sachen mit. Den Heizkörper, den er nach dem angeblichen Beschaffungsproblem ratzfatz passend und sogar richtig schick in Anthrazit für ungefähr 90 Euro fand. Die Absperrhähne. Den Druckspüler. Den Hauswasserfilter. Die Perlatoren. Unser halbes Kieswerk.
In etwas mehr als einer Woche waren damit plötzlich Dinge erledigt, auf die wir teilweise seit Monaten warteten. Von meinem Sohn. Dem Elektriker.
Und genau deshalb ist das hier für mich keine Geschichte darüber, dass Elektriker die besseren Installateure wären oder dass man Fachbetriebe nicht braucht. Im Gegenteil. Wir wollten einen Fachbetrieb, wir waren bereit, für die Arbeit zu bezahlen, und wir wollten sogar regional vergeben.
Wie weit denke ich eigentlich mit?
Was mich an der ganzen Geschichte beschäftigt, ist etwas anderes, und das begegnet einem ja nicht nur im Handwerk: Wie weit denke ich eigentlich mit, wenn ein Mensch vor mir steht?
Sehe ich nur den tropfenden Heizkörper oder sehe ich das Haus dahinter? Frage ich vielleicht einmal nach, ob noch etwas anderes ansteht? Erkläre ich einem Kunden, dass ein eingebauter Filter regelmäßig gewartet werden muss? Sage ich ehrlich, wenn ich etwas nicht schaffe? Und denke ich vielleicht auch einmal daran, dass aus einem kleinen Auftrag eine jahrelange Kundenbeziehung entstehen kann?
Nicht, weil man Menschen möglichst viel verkaufen soll. Das ist überhaupt nicht mein Punkt. Sondern weil Mitdenken auch Wertschätzung ist.
Manchmal ist ein kleiner Auftrag eben nicht bloß ein kleiner Auftrag. Dahinter kann Vertrauen stecken, ein nächster Auftrag, eine Empfehlung, eine Wärmepumpe, eine Photovoltaikanlage – oder einfach ein Mensch, der beim nächsten Mal wieder bei dir anruft, weil er weiß: Wenn der sagt, er kümmert sich, dann kümmert er sich auch.
Vielleicht fällt mir genau das deshalb so auf, weil ich selber so ticke. Ich muss nicht alles können und ich muss auch nicht zu allem Ja sagen, aber wenn ich Ja sage, dann soll mein Gegenüber sich darauf verlassen können. Und wenn ich Nein sagen muss, dann sage ich lieber ehrlich Nein, bevor jemand monatelang auf mich wartet.
Und irgendwo liegt noch eine Rosette
Joachim darf jedenfalls stolz auf das sein, was er in dieser Woche geschafft hat. Wir sind es. Nicht, weil er plötzlich Wasserer geworden wäre, sondern weil er vor einem Problem stand, das gar nicht sein eigentliches Fachgebiet war, sich kundig gemacht, Werkzeug besorgt, Lösungen gesucht und weitergemacht hat – auch als dieser eine verdammte Wasserhahn offenbar beschlossen hatte, ihn persönlich in den Wahnsinn zu treiben.
Ganz fertig sind wir übrigens noch nicht. Das Bidet muss noch weg und der Anschluss wird ordentlich verschlossen. Und dann fehlt noch eine Rosette. Wobei „fehlt“ eigentlich übertrieben ist. Irgendwo bei uns liegt garantiert noch eine herum. Wir müssen sie bloß finden. 😂
Nach Heizkörper, Druckspüler, Absperrhähnen, Filtern, Gewindeschneider und Rohrnippelextraktor darf ein Elektriker auch einmal seine Rosette verlegen.
Der Heizkörper tropft jedenfalls nicht mehr, das Klo spült endlich wieder mit Druck, der Hauswasserfilter ist sauber und unser Kieswerk hat vorerst geschlossen.
Und irgendwo liegt vielleicht noch ein Zettel mit unseren Maßen vom September letzten Jahres. Falls sich der erste Installateur doch noch meldet, können wir ihm ja erzählen, wie die Geschichte ausgegangen ist.
Vielleicht haben wir bis dahin sogar die Rosette gefunden. 😁
Wenn du die ganze Wasser-Saga noch einmal von vorne lesen möchtest, hier geht’s zurück zum Anfang:
Und hier findest du noch einmal unser Kieswerk samt Außenstellen:
Und wenn du von Wasserhähnen, Handwerkern und Verbindlichkeit noch ein Stück weiter mit mir denken möchtest: Genau deshalb ist für mich nicht zuerst die Firma wichtig, sondern der Mensch dahinter.


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