Der Stromer, das Kieswerk und die verschwundene Rosette Eine Wasser-Saga in drei Teilen – Teil 1
Eigentlich sollte nur die Heizung repariert werden
Angefangen hat die ganze Geschichte eigentlich ziemlich unspektakulär oben bei uns im Klo, denn dort tropfte die Heizung schon länger vor sich hin. Nicht so, dass wir morgens mit Gummistiefeln ins Bad mussten, aber eben so, dass irgendwann klar war: Das gehört jetzt gemacht, da muss ein Wasserer her.
Und wenn der schon einmal kommt, kann er sich natürlich gleich die anderen Sachen anschauen, die sich in einem Haus über die Jahre so ansammeln. Unser Druckspüler am WC funktionierte schon länger nicht mehr gescheit, das Bidet hatte irgendwann beschlossen, ein Teil von sich abzuwerfen und konnte sowieso weg, weil wir es nicht benutzen, und der eine oder andere Absperrhahn war ebenfalls nicht mehr das, was ich als besonders vertrauenerweckend bezeichnen würde.
Seit ungefähr 30 Jahren derselbe Betrieb
Also haben wir einen Fachbetrieb gerufen, und zwar nicht irgendeinen, denn genau diese Firma hat vor ungefähr 30 Jahren die Wasserleitungen in unserem Haus installiert. Schon meine Schwiegerleute hatten die Sachen dort machen lassen, später mein Schatz genauso, und inzwischen ist dort zwar wohl die nächste Generation am Werk, aber für uns war das eben immer noch der Betrieb, der unser Haus und seine Wasserinstallation kennt.
Der Fachmann kam im September letzten Jahres, schaute sich alles an, maß aus und wir besprachen, was gemacht werden sollte. Beim Heizkörper meinte er schon, da müsse er erst einmal schauen, ob er in genau diesen Abmessungen überhaupt einen passenden bekommt, und das klang für mich durchaus danach, als wäre das vielleicht gar nicht so einfach.
Dann wollte er sich melden.
Nun ja.
Wir haben inzwischen fast wieder September.
Und bevor jetzt jemand meint, wir hätten elf Monate andächtig neben dem Telefon gesessen und auf die Wiederkehr des Installateurs gewartet: Nein. Natürlich haben wir zwischendurch angerufen und nachgehakt. Nur geändert hat das nichts, denn passiert ist trotzdem nichts und die Heizung tropfte weiter.
Dann probieren wir es eben weiter regional
Irgendwann haben wir deshalb noch einen zweiten Betrieb ins Spiel gebracht, diesmal ganz bewusst einen hier aus der Region, denn wenn es irgendwie geht, möchten wir solche Aufträge auch gern vor Ort vergeben. Mein Schatz hatte vorher sogar schon privat mit dem Betrieb gesprochen, man kennt ihn dort persönlich – nach über 45 Jahren ehrenamtlicher Tätigkeit beim Roten Kreuz ist Roland in der Gegend nun auch nicht gerade ein völlig unbekannter Mensch – und es war vorher besprochen, dass unser Sohn Joachim noch einmal anruft.
Es ging dabei auch nicht bloß um die paar kleinen Sachen. Wir denken längerfristig über eine Wärmepumpe nach, Photovoltaik ist ebenfalls ein Thema, und genau das war vorher auch angesprochen worden: Erst könnten die kleineren Arbeiten gemacht werden und wenn später das Größere kommt, wäre eben möglicherweise auch dieser Auftrag noch da.
Sinngemäß hieß es vorher: Ja klar, machen wir.
Joachim rief also an und bekam zu hören, dass zurzeit keine Aufträge angenommen werden.
Kann ein Betrieb natürlich machen. Niemand muss einen Auftrag annehmen und wenn wirklich nichts geht, geht nichts. Nur ein bisserl schräg fanden wir es schon, wenn vorher persönlich darüber gesprochen worden war, der Anruf angekündigt war und bekannt war, dass hinter ein paar kleinen Arbeiten möglicherweise noch deutlich mehr steckt.
Vor allem Joachim fand das bemerkenswert, und der weiß durchaus, wovon er redet. Er war zuerst Maurer, ist heute Elektriker und kennt auch den direkten Kundenbereich. In einem seiner früheren Betriebe waren sie gerade einmal zu dritt: der Chef, ein Geselle und Joachim damals noch als Umschüler, später war er dort noch eine Zeit lang angestellt. Er weiß also ziemlich genau, wie es aussieht, wenn ein kleiner Handwerksbetrieb voll ist, was sich trotzdem noch irgendwo dazwischenquetschen lässt und wann tatsächlich nichts mehr geht.
Wenn der sich über so einen Ablauf ärgert, dann nicht, weil er glaubt, Handwerker müssten rund um die Uhr Gewehr bei Fuß stehen. Er kennt die andere Seite selbst.
Aber unsere Heizung tropfte davon halt immer noch.
„Den Hahn wechsel ich dir schnell“
Eigentlich wollten wir die Wassersachen ja gerade nicht selber machen. Joachim ist Stromer, kein Wasserer, und ich hatte schließlich nicht aus Langeweile einen Installateur gerufen.
Eine Sache allerdings wollte er von Anfang an sowieso selbst erledigen: Unten im Keller tropfte der Wasserhahn an meiner Waschmaschine, und bei dem hatte er gesagt, dafür brauchen wir keinen Installateur, den wechselt er mir schnell selber.
Na wunderbar.
Alter Hahn raus, neuer Hahn rein. Was soll da schon groß passieren?
Wer ein älteres Haus besitzt, darf jetzt schon lachen.
Joachim setzte an, wollte den alten Hahn herausdrehen – und das Ding brach ab. Zwei verschiedene Metalle hatten über die Jahre offenbar beschlossen, dass eine Trennung für sie nicht mehr infrage kommt, und das abgebrochene Stück blieb so tief und so fest in der Wand sitzen, als hätte es dort einen notariell beglaubigten Mietvertrag.
Mit der Zange kam er kaum hin, also mussten Fliesen auf, ein Stück Putz musste weg, Platz schaffen, wieder probieren – und nichts. Das Ding rührte sich keinen Millimeter.
Aus „Ich wechsel dir schnell den Wasserhahn“ wurde damit ziemlich flott eine größere Veranstaltung mit Werkzeug besorgen, überlegen, wieder probieren, fluchen und noch einmal probieren.
Irgendwann brauchte er dafür sogar einen Rohrnippelextraktor.
Ja. Das Ding heißt wirklich so. Ich kann auch nichts dafür. 😂
Später kam noch ein Gewindeschneider dazu und ich kann bestätigen, dass es durchaus einen Moment gab, in dem dieser Wasserhahn und diverse Werkzeuge gefährlich nah an einer gemeinsamen Flugreise waren. Spätestens da ging es vermutlich längst nicht mehr um einen tropfenden Hahn, sondern um die persönliche Ehre.
Und weil man nicht tagelang vor einem abgebrochenen Stück Metall sitzen und es böse anschauen kann, machte Joachim zwischendurch eben mit den anderen Sachen weiter, mit genau den Sachen, für die wir eigentlich seit September auf einen Wasserer warteten.
Und dabei kam auch der Heizkörper wieder ins Spiel, von dem es beim Fachmann noch geheißen hatte, man müsse erst einmal schauen, ob man in diesen Abmessungen überhaupt einen passenden bekommt. Joachim nahm die Maße, schaute nach und fand ratzfatz einen bei einem großen Onlinehändler.
Einen richtig schicken sogar, anthrazitfarben, für ungefähr 90 Euro. Zwei Verlängerungen für die Anschlüsse brauchte er noch dazu, das war’s.
Ich weiß natürlich nicht, welchen Heizkörper der Fachbetrieb am Ende besorgt und was der gekostet hätte, denn dazu kam es ja nie. Ich weiß nur: Das Problem, das beim Ausmessen noch nach einem Problem klang, war plötzlich keines mehr.
Und so wurde aus einer tropfenden Heizung, einem Fachbetrieb, der sich melden wollte, einem zweiten regionalen Betrieb, bei dem vorher eigentlich schon alles besprochen war, und einem Wasserhahn, den der Elektriker „schnell selber“ wechseln wollte, innerhalb weniger Tage eine komplette Wasserwoche.
Und wir ahnten zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal, dass unser Haus außer Wasserleitungen offenbar auch ein eigenes Kieswerk betreibt.
Fortsetzung folgt. 😁
Weiterlesen: Im zweiten Teil wird aus unserem Wasserproblem endgültig ein kleines Kieswerk – mit mehreren Filialen. 😁


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