„Da muss ich erst Geld reinstecken?“ – Ja. Willkommen bei Selbstständigkeit.
Mich macht nicht misstrauisch, dass eine Selbstständigkeit Geld kosten kann. Mich macht misstrauisch, wenn mir keiner erklären kann, wofür.
Vielleicht kennst du diesen Moment: Du interessierst dich für einen selbstständigen Weg, hörst dir erst einmal an, wie das Ganze funktioniert, findest manches sogar ziemlich spannend – und dann fällt irgendwann das Wort Einstieg, vielleicht geht es um eine erste Ausstattung, um Produkte, Material oder etwas anderes, das du für deinen Start brauchst, und plötzlich geht innerlich die Handbremse rein: „Moment mal, Ursel. Ich soll da erst selber Geld reinstecken?“ #
Und weißt du was? Ich finde diese Frage vollkommen richtig. Wenn du dein eigenes Geld in die Hand nehmen sollst, dann darfst du wissen wollen, was damit passiert, was du dafür bekommst und ob das Ganze für dich überhaupt Sinn ergibt. Ich würde sogar ziemlich stutzig werden, wenn eine Frau einfach sagt: „Ach, wird schon passen“, ohne nachzufragen, denn wir reden schließlich über dein Geld und nicht über drei Euro für eine Tüte Katzenleckerlis, bei der Krümel die Wirtschaftlichkeitsprüfung freundlicherweise übernimmt. 😹 #
Was ich allerdings spannend finde, ist etwas anderes, denn sobald wir von einer ganz klassischen Selbstständigkeit sprechen, scheint uns völlig klar zu sein, dass ein Anfang erst einmal etwas kosten kann. Wenn du morgen beschließt, einen kleinen Laden zu eröffnen, würdest du vermutlich nicht davon ausgehen, dass dir jemand kostenlos die Regale hinstellt, die Kasse schenkt, die erste Ware liefert, die Versicherungen bezahlt, deine Werbung übernimmt und am Ende noch ein Schild an die Tür schraubt. Je nachdem, was du gründen möchtest, können Ausstattung, Waren, Software, Versicherungen, Beratung, Werbung und viele andere Dinge dazugehören, und selbst die offizielle Gründungsberatung spricht selbstverständlich davon, vor dem Start den Kapitalbedarf sowie die kurz- und langfristigen Kosten zu ermitteln. Existenzgründungsportal
Das heißt natürlich nicht, dass jede Selbstständigkeit teuer sein muss. Eine Frau, die mit ihrem vorhandenen Laptop von zu Hause eine Dienstleistung anbietet, startet ganz anders als jemand, der ein Café eröffnet, einen Laden einrichtet oder Maschinen braucht. Genau deshalb würde ich auch niemals mit irgendeiner großen Zahl herumwedeln und behaupten: „Eine normale Selbstständigkeit kostet soundsoviel.“ Das wäre schlicht nicht seriös, weil es diese eine normale Selbstständigkeit gar nicht gibt.
Aber dann schauen wir einmal auf etwas anderes, das die meisten Menschen durchaus als Selbstständigkeit erkennen: Franchise. Da ist die Geschäftsidee bereits vorhanden, ein System wurde entwickelt und erprobt, es gibt Know-how, Schulungen, vielleicht eine bekannte Marke und Unterstützung, und trotzdem käme wahrscheinlich kaum jemand auf die Idee zu sagen: „Na, wenn das System schon existiert, müsste ich es doch kostenlos bekommen.“
Im Gegenteil: Bei Franchise-Systemen sind einmalige Einstiegsgebühren, Investitionen für den Aufbau des eigenen Betriebs und häufig auch laufende Gebühren völlig normale Bestandteile des Modells. Die IHK beschreibt ausdrücklich, dass solche Gebühren unter anderem für bereits entwickelte Konzepte, Know-how, Schulung, Markenschutz, Werbemittel, Beratung und die Weiterentwicklung des Systems stehen können; wie hoch Kosten und Gebühren tatsächlich sind, unterscheidet sich allerdings stark von System zu System. IHK
Und genau an dieser Stelle finde ich unsere alte Schublade wieder interessant.
Denn wenn jemand sagt: „Ich eröffne einen Laden“, verstehen wir, dass vorher Geld hineinfließen kann. Wenn jemand sagt: „Ich werde Franchisenehmerin“, verstehen wir ebenfalls, dass sie nicht nur ihren Namen auf einen Zettel schreibt und anschließend kostenlos ein fertiges Unternehmen überreicht bekommt. Aber sobald eine Frau sagt, sie steigt in ein anderes bereits vorhandenes Gemeinschaftssystem ein und baut sich damit selbstständig von zu Hause etwas Eigenes auf, kommt erstaunlich schnell die Frage: „Wieso soll ich dafür etwas bezahlen? Ich dachte, ich arbeite da.“
Und schwupps sind wir wieder bei unserer allerersten Schublade.
Anstellung und Selbstständigkeit.
Wenn du angestellt wirst, ist die Sache ziemlich klar. Du stellst deine Arbeitsleistung zur Verfügung und dein Arbeitgeber bezahlt dich dafür. Wenn er für deine Arbeit einen Computer braucht, wird normalerweise nicht erwartet, dass du erst einmal seine komplette Firma finanzierst, bevor du anfangen darfst.
Wenn du dich aber selbstständig machst, bist du diejenige, die etwas aufbaut.
Und damit verändert sich die Frage.
Dann lautet sie nicht mehr automatisch: „Warum bezahlt mir das keiner?“, sondern irgendwann auch: „Was brauche ich, um mein eigenes Geschäft überhaupt betreiben zu können?“
Und genau da möchte ich trotzdem ganz vorsichtig sein, denn nur weil Selbstständigkeit Geld kosten kann, wird nicht automatisch jedes Angebot seriös, bei dem jemand die Hand aufhält. Das wäre mir viel zu einfach. Wenn dir jemand erzählt, du müsstest erst einmal eine große Summe bezahlen und dürftest bloß nicht so viele Fragen stellen, weil du sonst angeblich nicht unternehmerisch genug denkst, würde bei mir eher das Gegenteil passieren. Dann würde ich nämlich erst recht fragen.
Wofür genau ist das Geld? Was bekomme ich dafür? Was gehört mir anschließend? Welche weiteren Kosten kommen auf mich zu? Gibt es laufende Verpflichtungen? Was passiert, wenn ich nach drei Monaten feststelle, dass dieser Weg überhaupt nicht zu mir passt?
Und vor allem möchte ich verstehen, womit später eigentlich Geld verdient wird.
Denn wenn ich etwas nicht nachvollziehen kann, unterschreibe ich nicht einfach deshalb, weil mir jemand erzählt, alle erfolgreichen Menschen hätten schließlich irgendwann investiert. Das stimmt zwar insofern, als Gründungen Investitionen und laufende Kosten haben können – aber daraus folgt noch lange nicht, dass jede Investition sinnvoll ist. Auch die IHK empfiehlt bei Franchise-Systemen ausdrücklich, Kosten, Leistungen und Vertragsbedingungen genau zu prüfen. IHK
Vielleicht liegt genau dort für mich der Unterschied zwischen Investieren und einfach Geld irgendwo hineinwerfen.
Wenn ich mir einen Laptop kaufe, mit dem ich arbeite, kann ich erklären, wofür ich das Geld ausgegeben habe. Wenn ich eine Website bezahle, weiß ich, was ich bekomme. Wenn ich Ware einkaufe, steht anschließend Ware vor mir, und wenn ich mich in ein bestehendes System einkaufe oder dafür laufende Kosten habe, möchte ich genauso verstehen können, welche Leistungen, Möglichkeiten oder Infrastruktur dahinterstehen.
Nicht alles davon muss für mich persönlich wertvoll sein.
Aber es muss für mich nachvollziehbar sein.
Und genau das wünsche ich mir auch für eine Frau, die mit mir über einen selbstständigen Weg spricht, denn ich möchte nicht, dass du in einem Gespräch höflich nickst und zu Hause feststellst, dass du eigentlich gar nicht verstanden hast, worauf du dich einlassen würdest. Wenn du fünf Fragen dazu hast, stell fünf. Wenn du zwölf hast, stell zwölf. Und wenn du bei meiner Antwort denkst: „Ursel, das war jetzt viel Gerede, aber meine Frage hast du nicht beantwortet“, dann darfst du mir das auch sagen.
Mei, dann muss ich halt noch einmal erklären. 😹
Denn Transparenz bedeutet für mich nicht, dass ich dir nur die angenehmen Dinge erzähle. Transparenz bedeutet, dass du auch weißt, welche Verantwortung bei dir liegt, welche Kosten entstehen können und dass ein selbstständiger Aufbau keine Garantie dafür ist, dass am Ende automatisch mehr Geld herauskommt, als du hineingesteckt hast.
Genau dieses Risiko gehört zur Selbstständigkeit nämlich ebenfalls dazu.
Und vielleicht ist das sogar der Punkt, an dem wir wieder bei Frautark landen, denn Selbstbestimmung bedeutet für mich nicht, dass alles kostenlos, risikolos und bequem sein muss. Selbstbestimmung bedeutet, dass du genug weißt, um bewusst entscheiden zu können.
Vielleicht sagst du nach einem Gespräch: „Ja, das kann ich mir leisten, ich verstehe, was ich dafür bekomme, und ich möchte es ausprobieren.“
Vielleicht sagst du: „Interessant, aber im Moment passt diese Investition nicht in mein Leben.“
Oder vielleicht sagst du: „Nein, Ursel. Das ist mir die Sache nicht wert.“
Alle drei Antworten kann ich respektieren.
Was ich nicht möchte, ist, dass du dich gegen einen selbstständigen Weg entscheidest, nur weil irgendwo in deinem Kopf noch die alte Vorstellung sitzt: „Wenn ich arbeiten soll, muss doch jemand anderes zuerst mich bezahlen.“
Denn dann beurteilst du wieder Selbstständigkeit mit den Maßstäben einer Anstellung.
Und genau darum geht diese ganze Reihe.
Vielleicht ist also die bessere Frage nicht:
„Warum soll ich dafür Geld ausgeben?“
Sondern: #
„Was bekomme ich für mein Geld – und ist mir diese Möglichkeit das wert?“
Und wenn dir darauf niemand eine klare Antwort geben kann, dann würde ich an deiner Stelle nicht schneller bezahlen.
Ich würde langsamer werden.
Hinschauen. Prüfen. Fragen.
Und dann selbst entscheiden.
Denn genau das ist Frautark für mich. ❤️
Wenn du noch ein Stück mit mir weitergehen möchtest
Wenn du wissen möchtest, warum ich diese ganzen Vorstellungen über selbstständiges Arbeiten überhaupt eine nach der anderen aus der Schublade hole, beginnt unsere Reihe hier:
Und wenn bei dir weniger die Frage nach einer Investition im Kopf herumspukt und dafür eher „Dafür brauche ich doch tausende Follower“, dann findest du hier die vorherige Schublade:


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