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💭 Ursel denkt laut – Menschlichkeit im Alltag

20. Aug.
1 Min. Lesezeit

Teil 3

Nicht jeder hat jemanden, der Behördendeutsch übersetzt.


(Beobachtung)

Manchmal stelle ich mir eine ältere Frau vor.

Sie sitzt allein am Küchentisch.

Vor ihr liegt ein dicker Behördenbrief.

Sie setzt die Brille auf.

Liest.

Runzelt die Stirn.

Liest noch einmal.

Dann faltet sie den Brief zusammen.



Nicht, weil er ihr egal ist.

Sondern weil sie ihn nicht versteht.

Und genau dieser Gedanke lässt mich nicht los.

Nicht jeder hat Kinder, die helfen können.

Nicht jeder hat Nachbarn.

Nicht jeder kennt jemanden, der sich mit Formularen auskennt.

Nicht jeder kann stundenlang im Internet recherchieren.

Und nicht jeder weiß überhaupt, welche Fragen er stellen müsste.



Ein Sozialstaat sollte nicht voraussetzen, dass jeder einen Übersetzer für Behördendeutsch an seiner Seite hat.

Er sollte so schreiben, dass möglichst viele Menschen ihre Rechte und ihre Pflichten verstehen.



Vielleicht ist genau das echte Barrierefreiheit.

Nicht nur Rampen vor Gebäuden.

Sondern auch verständliche Sprache.

Denn wer versteht, kann entscheiden.

Wer versteht, kann handeln.

Und wer versteht, bleibt nicht hilflos zurück.



Ich kann mich irren. Das sind meine Gedanken.

Ursel denkt laut.



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