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Bei mir wohnt kein Mähroboter – dafür die Schachbrettfalter-Clique 🦋

  • vor 2 Tagen
  • 5 Min. Lesezeit

Früher galt ein Garten ja schnell als besonders ordentlich, wenn jedes Grashälmchen wusste, wo es hingehört. Der Rasen wurde kurz gehalten, die Kanten mussten sauber sein, zwischen den Pflastersteinen durfte sich bloß nix Grünes hervorwagen – und wehe, irgendwo streckte ein Löwenzahn frech seinen gelben Kopf aus der Erde.



Mei, der lebte gefährlicher als so mancher Geheimagent. 😂

So ein Garten sollte schließlich zeigen, dass man alles im Griff hat. Das Gras, das Moos, die Hecke, die Blätter und vermutlich auch die Amsel, falls die es wagte, beim Würmersuchen ein bisserl Erde auf den frisch gefegten Weg zu werfen.



Wenn selbst der Mooskrümel verhört wird


Heute summen in vielen Gärten die Mähroboter beinahe rund um die Uhr. Zusätzlich wird gemäht, ausgestochen, gespritzt und gewässert, damit bloß nichts aus der vorgesehenen Reihe tanzt. Pflastersteine werden mindestens zweimal im Jahr mit dem Hochdruckreiniger verhört, bis auch der letzte Mooskrümel ein Geständnis ablegt.


Dazwischen entstehen Schotterflächen, weil sie angeblich pflegeleicht sind, und Kirschlorbeerhecken, weil sie schnell dicht machen. Alles sauber, glatt, ordentlich und gut kontrollierbar.

Und dann kommst du in meinen Garten.

Da darf a weng was wachsen.


Da liegt vielleicht auch mal ein Blatt an einer Stelle, an der es laut deutscher Gartenordnung vermutlich keine Aufenthaltsgenehmigung besitzt. Ein Pflänzchen zieht eigenmächtig um, eine Ecke wird ein bissl wilder als geplant und manche Grashalme haben offenbar beschlossen, sich meiner Autorität vollständig zu entziehen. 😉



Plötzlich flatterte es überall


Letztens stand ich in meinem Garten. Die Luft war warm, zwischen den Pflanzen raschelte es ganz leise und plötzlich flatterte direkt vor mir eine ganze Clique Schachbrettfalter herum.

Nicht einer. Gleich mehrere.

Ihre schwarz-weiß gemusterten Flügel leuchteten zwischen dem Grün. Sie flatterten über dem hohen Gras, verschwanden dazwischen, tauchten wieder auf und sanken erneut zwischen die Halme hinunter. Überall war Bewegung, aber keine Hektik.

Ich stand bloß da, schaute und musste grinsen.


Du kannst Schmetterlinge schließlich nicht bestellen. Du kannst ihnen keinen Termin geben und auch keine Sitzordnung festlegen. Sie kommen, wenn sie etwas finden, das ihnen gefällt – und sie verschwinden wieder, wann sie wollen.


Im ersten Moment dachte ich einfach, sie hätten sich meinen Garten als Treffpunkt ausgesucht. Die Schachbrettfalter-Clique beim sommerlichen Betriebsausflug, ausgerechnet bei mir. 😉

Aber dann wollte ich natürlich wieder genauer wissen, was sie dort eigentlich machten.

Und dabei entdeckte ich etwas, das diesen Augenblick für mich noch viel besonderer machte.



Vielleicht war mein hohes Gras ihre Kinderstube

Die Weibchen des Schachbrettfalters suchen sich für ihre Eier nicht fein säuberlich einen bestimmten Grashalm aus. Sie lassen die Eier einzeln während des Fluges zwischen die Gräser auf den Boden fallen. Dort schlüpfen später die Raupen, die sich von Gräsern ernähren.

Genau deshalb sind Grasflächen wichtig, die während dieser Zeit nicht ständig gemäht werden.

Und plötzlich sah ich mein hohes Gras mit ganz anderen Augen.

Was für uns Menschen vielleicht nach „Da müsste aber dringend mal jemand mähen“ aussieht, kann für einen Schmetterling die Kinderstube sein.


Vielleicht waren die Falter also gar nicht nur zum Vorbeiflattern da. Vielleicht waren die Weibchen gerade auf der Suche nach einem passenden Platz für die nächste Generation. Vielleicht wurde zwischen meinen eigenwilligen Grashalmen neues Leben vorbereitet, während ich bloß dastand und mich über die hübschen Besucher freute.

Da dachte ich:

Vielleicht ist mein Garten gar nicht unordentlich. Vielleicht ist er einfach bewohnt.

Und vielleicht ist er noch viel mehr als das.

Vielleicht ist er nicht nur Wohnzimmer und Speisekammer, sondern auch Kinderstube.

Ausgerechnet dort, wo kein Mähroboter zuverlässig jeden Halm auf Einheitslänge stutzt.



Wer bestimmt eigentlich, was ordentlich ist?

Dieser Gedanke ist mir geblieben.

Wir Menschen bezeichnen ja schnell etwas als unordentlich, wenn es nicht so aussieht, wie wir es geplant haben. Im Garten soll jede Pflanze ihren Platz kennen, im Haus soll nichts herumliegen und im Leben bitteschön alles möglichst ordentlich nach Plan verlaufen.

Schule, Beruf, Familie, Rente – und dazwischen bloß nicht zu weit vom vorgesehenen Weg abkommen.

Aber das Leben hält sich genauso wenig an saubere Rasenkanten wie mein Löwenzahn.

Manches wächst dort, wo wir es nie erwartet hätten. Manche Wege entstehen erst, weil der ursprünglich geplante plötzlich nicht mehr weitergeht. Und manches, was von außen ein bissl wild aussieht, ist in Wahrheit voller Leben, Möglichkeiten und Zukunft.


Vielleicht müssen wir also nicht immer sofort eingreifen, korrigieren und alles wieder in Reih und Glied stellen. Vielleicht dürfen wir manchmal erst einmal hinschauen.

Was wächst denn da?

Wer hat dort einen Platz gefunden?

Und könnte es sein, dass gerade etwas Schönes entsteht, obwohl es überhaupt nicht nach unserem ursprünglichen Plan aussieht?



Natur braucht nicht unsere perfekte Ordnung

Ich will dir nicht erzählen, wie dein Garten aussehen muss. Jeder Mensch hat andere Möglichkeiten, andere Kräfte und natürlich auch einen anderen Geschmack. Nicht jede Frau kann stundenlang im Garten arbeiten, nicht jede hat überhaupt einen Garten und manchmal ist schon ein Topf mit Kräutern auf dem Balkon das höchste der Gefühle.

Darum geht es mir auch gar nicht.

Es geht nicht um „richtig“ oder „falsch“. Es geht um dieses kleine Eckerl, in dem wir die Natur einfach einmal machen lassen. Vielleicht bleibt dort das Gras länger stehen. Vielleicht darf der Löwenzahn blühen, bevor er entfernt wird. Vielleicht liegt unter einer Hecke noch Laub, obwohl der Nachbar schon wieder mit dem Laubbläser verdächtig ordentlich unterwegs ist.

So ein Eckerl muss keinen Schönheitspreis gewinnen.


Es darf einfach bewohnt sein.

Von Käfern, Bienen, Schmetterlingen und all den kleinen Lebewesen, die keine Rücksicht darauf nehmen, ob ihre Unterkunft gerade zu unserem Gartenmöbelset passt.

Und manchmal sehen wir gar nicht, was dort alles geschieht. Wir sehen nur hohes Gras. Der Schachbrettfalter sieht vielleicht den richtigen Ort für seine Eier.

Mei, es kommt halt immer darauf an, wer gerade hinschaut.



Mein Garten schenkt mir mehr als eine saubere Kante


Natürlich könnte mein Garten ordentlicher sein. Ich könnte öfter mähen, mehr zupfen und jeder Pflanze erklären, wo genau ihr zugewiesener Wohnbereich endet.

Aber dann stünde ich vermutlich öfter mit Gartenschere und schlechtem Gewissen da – und seltener einfach nur staunend mittendrin.


Mir schenkt dieser Garten mehr als eine makellose Kante. Er schenkt mir Schmetterlinge, Leben und diese kleinen Augenblicke, die du in keinem Gartenprospekt bestellen kannst.

Und vielleicht schenkt er einem Schmetterling sogar einen Platz für die nächste Generation.

Das ist doch eigentlich ein recht guter Tausch gegen eine nicht ganz so saubere Rasenkante.

Mein Garten erinnert mich daran, dass nicht alles, was ein bissl wild aussieht, automatisch vernachlässigt ist. Manches wird gerade deshalb lebendig, weil wir nicht ständig daran herumkorrigieren.


Und vielleicht gilt das nicht nur für Gärten.

Vielleicht brauchen auch wir Frauen manchmal so ein Eckerl in unserem Leben, in dem nicht alles perfekt, nützlich und vorzeigbar sein muss. Einen Platz, an dem wir ausprobieren dürfen, an dem etwas wachsen kann und an dem wir nicht gleich mit dem inneren Hochdruckreiniger anrücken, nur weil ein Gedanke aus der Reihe tanzt.

Wir haben schließlich lang genug versucht, in die Vorstellungen anderer zu passen.

Heute dürfen wir auch einmal schauen, was passiert, wenn wir uns selbst a weng mehr Platz lassen.

Wer weiß – vielleicht entsteht dort gerade etwas Neues, obwohl es für andere noch nach hohem Gras aussieht.


Bei mir flatterte jedenfalls die Schachbrettfalter-Clique darüber. Und während ich dachte, sie seien bloß zu Besuch, hatten sie womöglich längst beschlossen:

Da bei der Ursel, da kann neues Leben anfangen. 🦋



Wie sieht es bei dir aus: eher englischer Rasen, fröhlich bewohnter Naturgarten oder irgendwas Charmantes dazwischen?

Und gibt es bei dir vielleicht auch ein wildes Eckerl, das für andere Lebewesen viel wertvoller ist, als man auf den ersten Blick erkennt?


Erzähl mir davon. Ich verspreche auch, keinen einzigen Löwenzahn zu verpetzen. 😉

Ich kann mich irren. Aber das sind meine Gedanken.Ursel denkt laut.Wie denkst du darüber?

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