Als aus sieben Dingen plötzlich ein Stück Ursel wurde
Eigentlich sollte es ganz harmlos anfangen.
Ein paar kleine Beiträge für mein privates Facebook-Profil.Nichts Großes.Nichts Weltbewegendes.Einfach eine kleine Reihe:
7 Dinge, die du noch nicht über mich weißt.
Klingt ordentlich, oder?
Sieben Dinge.Schön übersichtlich.Gut zu planen.Ein Anfang, ein Ende, fertig.
Tja.
Wer mich kennt, ahnt vielleicht schon, was passiert ist.
Aus sieben Dingen wurden plötzlich mehr.Nicht, weil ich mich nicht entscheiden konnte.Also … vielleicht auch ein bisschen. 😄
Aber vor allem, weil mir beim Schreiben aufgefallen ist:
Ein Mensch passt nicht in sieben Punkte.
Nicht einmal in siebzehn.Und wahrscheinlich nicht einmal in siebzig.
Sieben Punkte reichen nicht für ein ganzes Leben
Am Anfang dachte ich noch:Na ja, ich schreibe halt ein paar persönliche Dinge über mich.
Dass ich neugieriger bin, als viele denken.Dass mir Echtheit wichtiger ist als Perfektion.Dass ich über mich selbst lachen kann.Dass ich mir kleine Gesten merke.Dass ich gut zuhören kann.Dass Grenzen setzen für mich Selbstrespekt ist.Dass ich an Neuanfänge glaube, auch mit über 60.
Und dann saß ich da und merkte:
Das sind nicht einfach Punkte auf einer Liste.
Das sind kleine Türen.
Hinter jeder Tür liegt wieder eine Geschichte.Ein Stück Leben.Ein Gefühl.Ein alter Gedanke.Eine Erkenntnis, die irgendwann gewachsen ist.
Und plötzlich war klar:
Diese Reihe erzählt nicht nur „Dinge über mich“.
Sie erzählt, wie ich geworden bin.
Menschen sind keine Kurzbeschreibung
Ich glaube, wir machen das oft.
Wir versuchen, Menschen schnell einzuordnen.
Die ist so.Der ist so.Die gehört dahin.Der denkt bestimmt das.Die wirkt offen.Der wirkt streng.Die ist kompliziert.Der ist einfach.
Und manchmal stimmt ein kleiner Teil davon sogar.
Aber eben nur ein Teil.
Ich kann offen wirken und trotzdem nicht jedem sofort alles erzählen.Ich kann humorvoll sein und trotzdem ernste Geschichten in mir tragen.Ich kann weich im Herzen sein und trotzdem klare Grenzen brauchen.Ich kann Katzen lieben, Science-Fiction mögen, Spaziergänge brauchen, über mich selbst lachen und gleichzeitig ziemlich unbequem werden, wenn etwas nicht ehrlich ist.
Alles gleichzeitig.
Nicht entweder oder.
Sondern Ursel.
Eigentlich waren’s mal sieben …
Nach den ersten sieben Dingen war deshalb nicht Schluss.
Da kam dieser Satz:
Eigentlich sollten es sieben Dinge werden.Dann ist mir beim Schreiben noch ein achtes eingefallen.Tja …Willkommen in meiner Gedankenwelt.
Und genau da musste ich selbst schmunzeln.
Weil das so typisch ist.
Ein Gedanke bleibt bei mir selten brav auf seinem Stuhl sitzen.Kaum habe ich einen sortiert, steht der nächste schon daneben und sagt:
„Ich will aber auch noch mit.“
Manche nennen das vielleicht sprunghaft.Ich nenne es: Da ist noch ein Faden.
Und oft lohnt es sich, diesem Faden zu folgen.
Mehr als sieben Ecken
Vielleicht ist das sogar einer der Gründe, warum mir diese kleine Reihe so gut gefällt.
Sie erlaubt mir, mich nicht glattzubügeln.
Ich muss nicht nur eine Seite zeigen.
Nicht nur die Lustige.Nicht nur die Nachdenkliche.Nicht nur die Katzenfrau.Nicht nur die, die neu anfängt.Nicht nur die, die manchmal unbequem ist.Nicht nur die, die schon einiges hinter sich hat.
Ich darf mehrere Ecken haben.
Mehr als sieben sogar.
Und vielleicht ist genau das der Punkt:
Wir Menschen sind nicht dafür gemacht, in hübsche kleine Kästchen zu passen.
Wir sind Geschichten.Manche Kapitel sind leicht.Manche schräg.Manche tun weh.Manche bringen uns zum Lachen.Und manche verstehen wir erst viel später.
Ein Stück Ursel
Aus der kleinen Reihe wurde deshalb mehr als ein paar Facebook-Beiträge.
Es wurde ein Stück Ursel.
Nicht vollständig.Das geht gar nicht.
Aber ehrlich.
Ein Stück von dem, was mich ausmacht.Von dem, was geblieben ist.Von dem, was sich verändert hat.Von dem, was vielleicht noch wachsen darf.
Und ja, ich glaube immer mehr:
Es tut gut, sich selbst wieder in kleinen Stücken zu zeigen.
Nicht als perfekte Vorstellung.Nicht als Hochglanzversion.Nicht als „schaut mal, wie toll alles ist“.
Sondern als Mensch.
Mit Herz. Mit Kanten. Mit Katzen. Mit Gedankensprüngen. Mit Geschichten, die manchmal erst beim Erzählen sichtbar werden.
Vielleicht steckt darin auch eine Einladung
Vielleicht ist diese Reihe deshalb nicht nur eine Reihe über mich.
Vielleicht ist sie auch eine kleine Einladung an dich.
Dich selbst nicht auf eine Rolle zu reduzieren.Nicht auf dein Alter.Nicht auf deine Vergangenheit.Nicht auf das, was andere über dich glauben.Nicht auf das, was du früher einmal nicht geschafft hast.
Vielleicht bist du auch mehr als sieben Dinge.
Mehr als das, was man auf den ersten Blick sieht.Mehr als das, was du selbst manchmal von dir erzählst.Mehr als die Schublade, in die dich andere stecken wollten.
Vielleicht darf auch bei dir noch etwas sichtbar werden.
Eine alte Stärke.Ein neuer Gedanke.Ein Stück Mut.Ein Wunsch, der lange still war.Ein Teil von dir, der sagt:
„Ich bin auch noch da.“
Und vielleicht beginnt genau dort etwas Neues.
Nicht laut.Nicht perfekt.Nicht fertig.
Aber echt.
Was wäre ein Ding, das viele noch nicht über dich wissen?


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